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manager magazin



01.12.2006
 

Dollar

Weltwährung auf Abruf

Von Gabor Steingart

Der Dollar gilt als Reservewährung der Welt, doch sein Sturz lässt sich nur noch verzögern, nicht verhindern. Die Folge könnte eine globale Wirtschaftskrise sein. manager-magazin.de präsentiert Auszüge aus dem Buch "Weltkrieg um Wohlstand" des SPIEGEL-Journalisten Gabor Steingart.

Zwei Dinge sind es vor allem, die sich jeder Geldanleger wünscht: hohe Rendite und hohe Sicherheit. Weil beides zusammen niemals zu haben ist, sind die Investoren von Haus aus Zeitgenossen mit schwankendem Gemütszustand. Angst und Gier wechseln einander ab, wobei die großen Geldanleger, zum Beispiel Konzerne und Staaten, die Sicherheit eindeutig bevorzugen.

  Gabor Steingart  leitet das Hauptstadtbüro des SPIEGEL. Sein vorheriges Buch heißt "Deutschland. Der Abstieg eines Superstars".
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Gabor Steingart leitet das Hauptstadtbüro des SPIEGEL. Sein vorheriges Buch heißt "Deutschland. Der Abstieg eines Superstars".

Ihre Angst ist größer als ihre Gier. Sie verzichten freiwillig auf den ganz großen Profit, wenn nur die Haltbarkeit ihrer Milliarden gesichert ist. Sie fürchten politische Unruhen, sie hassen allzu heftige Währungsschwankungen und schon der Gedanke an eine schleichende Geldentwertung kann sie in Panikstimmung versetzen.

Es gibt nur wenige Länder, die angesichts dieser Gefahren eine größtmögliche relative Sicherheit bieten: die USA und die Schweiz. Deshalb ist der Dollar nicht nur Handels- und Anlagewährung, er ist vor allem auch die Reservewährung der Welt. Fast alle Staaten misstrauen ihrer eigenen Währung und legen das Geld aus dem Tresorraum ihrer nationalen Notenbank lieber in den Vereinigten Staaten an, in Schuldverschreibungen, Aktien oder Staatsanleihen.

Politische Unruhen sind dort so gut wie ausgeschlossen. Die Inflation wird von der Notenbank bekämpft. Die Spekulanten können angesichts der Größe des Währungsgebiets und der Menge an weltweit zirkulierenden Dollars keine Purzelbäume schlagen.

Also kaufen die weltweiten Geldbesitzer die US-Währung in rauen Mengen. Die USA besitzen nahezu ein Monopol auf die Ware Sicherheit. Der Erwerb einer US-Staatsanleihe ist für viele Investoren nichts anderes als der Kauf eines Konservierungsmittels. Weltweit wurden 2005 nur 20 Prozent aller Devisenreserven in Euro, aber über 60 Prozent in Dollar gehalten.

Die Euro-Einführung war ein beachtlicher Erfolg, der hier nicht geschmälert werden soll. Aber der Dollar ist die Ankerwährung der Welt geblieben. Liegt dieser Anker auf Grund, bedeutet das große Stabilität für die angeschlossenen Volkswirtschaften. Reißt er sich los und beginnt im Meer der Weltfinanzen zu treiben, gerät mehr in Unordnung als nur das Austauschverhältnis von Währungen.

Aber warum sind dieselben Kaufleute, die früher Waren gekauft haben, nun derart närrisch auf Dollarscheine? Wieso vertrauen sie auf die Ware Sicherheit, die nicht beliebig vermehrbar ist? Jeder Student der Volkswirtschaft lernt doch, dass die Währung eines Landes nur so stabil und damit so wertvoll ist wie das, was die Volkswirtschaft dieses Landes zu bieten hat und produziert. Sieht und fühlt denn keiner, dass sich da eine Spannung aufbaut zwischen dem Traum und der Realität, die sich eines Tages zum Schaden von Millionen Menschen entladen wird?

Und ob das gesehen wird! Die Investoren sehen es, sie staunen, sie schütteln den Kopf, es fröstelt sie sogar, aber: Sie kaufen weiter Dollar. Wie die Besessenen tun sie es. Je größer der Zweifel, desto gieriger ordern sie nach. Denn das Verrückte an diesen Investoren und ihrem Geschäftsgebaren ist eben das: Der Käufer ist nicht nur Käufer. Indem er das Produkt Sicherheit kauft, erzeugt er es. Hört er morgen mit dem Kaufen auf, schmilzt das Vertrauen und die Unsicherheit wächst. Der Traum wäre ausgeträumt, der Dollar geriete ins Trudeln und alle bisherigen Dollarreichtümer würden an Wert verlieren, was der Investor natürlich nicht will.

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insgesamt 769 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
12.11.2007 von dIAGONAL: Broeckel Dollar

Die Idee einer Reservewaehrung ist von vorneherein falsch. Wenige Jahre vor Kuendigung des Bretton Woods Abkommens hat Milton Friedman sehr heftig - nach europaeischen Staandards unflaetig- Robert V. Roosa niedergeschmettert, [...] mehr...

12.11.2007 von Tom Berger:

Sie glauben, die USA hätten dann keine Probleme? Öl und alle anderen Rohstoffe würden die USA dann nur noch gegen sofortige Barzahlung erhalten, US$ würden dabei ganz sicher nicht akzeptiert. Aber woher sollen die USA dann [...] mehr...

12.11.2007 von Andreas Heil:

Tja, Mr. Weltkrieg um Wohlstand wird wohl nach Wortzahl, nicht nach inhaltlicher Tiefe bezahlt. Geschenkt, dass er über den Teich fliegen mußte, um nichts neues zu entdecken. In einer Arbeitspause kann er aber vielleicht mal [...] mehr...

12.11.2007 von the_flying_horse:

GWB wird es schon richten... der Mann ist einfach zu unfähig - in allen Belangen. Unter Clinton hatten die USA 90 Mllrd. Überschuss, unter GWB fahren die komplett in den Keller. Wenn sich das Problem nur auf die Amerikaner [...] mehr...

12.11.2007 von Radbod:

Hallo Treeman, haben Sie auch weitergedacht? Wenn die USA die Staatsanleihen X-Y mirnichtsdirnichts zu Kaminanzündepapier deklarieren würde, wie reagiert dann wohl jeder Besitzer von US-Dollar? Richtig, alles was Füsse hat [...] mehr...

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