Hamburg/London - Nach dem kontrovers diskutierten Vorschlag, ob Hamburg von der A380-Produktion komplett ausgeschlossen wird und stattdessen die Produktion des Cash-Bringers A320 bekommt, stellt sich die Frage, ob von den insgesamt 16 europaweit verstreuten Werken nicht wenigstens sieben überflüssig sind.
Zu dieser Auffassung kommt ein vierköpfiges Analystenteam der Investmentbank Goldman Sachs
Die Produktionsstätten, die aus Sicht der Analysten keine Kernkompetenzen bergen und damit für eine Airbus-Schlankheitskur infrage kommen, sind: Nantes und Meaulte in Frankreich, Illescas in Spanien sowie die Werke Stade, Buxtehude, Varel und Nordenham in Norddeutschland.
Reif für eine Veräußerung sind die jahrzehntelang ins Konzernpuzzle eingepassten Standorte, weil sie nicht zum Kernbusiness zählen und kaum über essenzielles Know-how für das Unternehmen verfügten, heißt es in der Studie . Die dort produzierten Komponenten und Montageteile könnten auch kostensparend von konzernfremden Zulieferern produziert werden.
Zu viel Personal für "Metal Bashing"
"Airbus produziert in einem zyklischen Industriezweig und muss flexibler werden", sagte ein Londoner City-Analyst am Donnerstag gegenüber manager-magazin.de. Auftragsspitzen und -dellen ließen sich durch eine höhere Anzahl an Zulieferern für das Unternehmen effektiver abfedern. Bei der vertikalen Integration der zahlreichen Airbus-Abteilungen stehe der Konzern vor verschiedenen Herausforderungen. Konkurrent Boeing
habe in den vergangenen Jahren zahlreiche Standorte aufgegeben oder verkauft. Für vergleichsweise unkomplizierte Tätigkeiten - in der Branche "Metal Bashing" genannt - bindet der Konzern weniger eigenes Personal als Airbus.
Negativ werten die Goldman-Sachs-Analysten zudem, dass Airbus zu wenig Risiko an die bestehenden Zulieferer übertrage. Nach dem sogenannten Risk-and-Revenue-Muster werden externe Unternehmen üblicherweise am Erfolg der Endprodukte beteiligt oder müssen bei Misserfolg Verluste hinnehmen. "Wir sind überrascht, dass sich nur ein Wert von etwa 15 Prozent für solche Risk-Sharing-Partnerships (RSPs) beim Projekt A380 findet", heißt es in der Studie. Für den A350 wolle und müsse der Konzern einen Wert von einem Drittel der gesamten Investitionskosten erreichen, deren Risiko externe Unternehmen schultern sollen.
Einen Schritt in diese Richtung gebe es bereits bei den Vereinbarungen mit den Motorenlieferanten. Diese werden erst in dem Moment bezahlt, in dem das fertige Flugzeug beim Kunden ausgeliefert ist. Bis vor Kurzem zahlte Airbus bereits, wenn die Motoren in die eigenen Werke kamen und musste damit höhere Summen für die Vorfinanzierung der Flugzeuge aufbringen. "Wir glauben, dass wesentlich mehr der Zulieferbetriebe nach diesem Modell bezahlt werden könnten, wodurch sie ihr Umlaufvermögen erhöhen müssten, während Airbus sein Umlaufvermögen reduzieren könnte."
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