Von Rita Syre, Frankfurt
Frankfurt am Main – Mit der Größe einer Bank ist das so eine Sache. Da herrscht auch unter deutschen Bankern eine hohe Sensibilität. Vor der Etablierung des Shareholder-Value-Konzepts in Deutschland wurde die Gewichtigkeit der Finanzhäuser an der Bilanzsumme festgezurrt. Im Kapitalmarktzeitalter gehört das Ranking nach der Höhe des Börsenwerts zum Benchmark-Vergleich dazu. Allerdings findet sich die Deutsche Bank
mit einer Bewertung an der Börse von gut 46 Milliarden Euro auf den hinteren Plätzen unter den Top Ten in Europa.
Es ist gerade mal sechs Wochen her, da hatte Unicredito-Chef Alessandro Profumo klar gemacht, dass angesichts der rund 16 Milliarden Euro höheren Marktkapitalisierung seines Hauses die Deutsche Bank keine Benchmark mehr sei. Die Richtgröße seien nun für ihn Schwergewichte wie Santander, Royal Bank of Scotland
"Schwer zu sein, ist nicht unbedingt ein Ziel", meint nun Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Die Bank sei groß genug, um international in jedem Bereich mitspielen zu können. "Aus Europa heraus können nur die Deutsche Bank und die Schweizer UBS
global eine Rolle spielen", sagte Ackermann während einer Tagung des "Handelsblatt" vor Finanzjournalisten in Frankfurt am Main. Nicht die Marktkapitalisierung ist nach Ansicht von Ackermann für die Aktionäre entscheidend, sondern der Aktienkurs. Und überhaupt, die Konzentration auf den Börsenwert sei nur eine "Modeerscheinung". Sehr rasch werde sich der Blick auf die Rendite fokussieren.
Ackermann sieht sich hier auf sicherem Boden, schließlich konnte er bei seinem der Bank verordneten Ziel von 25 Prozent Rendite vor Steuern bereits Erfüllung vermelden.
Profumo hatte allerdings allein durch den Kauf der Münchener HVB Group im vergangenen Jahr die Bewertung seiner italienischen Bankengruppe an der Börse um etwa 20 Milliarden Euro nach oben gehievt. Ein Weg, den Ackermann ablehnt. "Die Deutsche Bank wird keine Transaktion machen, um die Marktkapitalisierung zu erhöhen", lehnt er diese Strategie kategorisch ab. Eine Übernahme der Commerzbank
würde den Börsenwert auf etwa 64 Milliarden Euro nach oben katapultieren, der Kauf der Postbank
immerhin noch auf gut 56 Milliarden Euro.
"Die Commerzbank ist außerordentlich gut bewertet"
"Aber die Finanzmärkte sind doch nicht so naiv, als dass sie nicht rasch einen solchen Schritt bewerten würden", begründet er seine Ablehnung. Er sei ja mit dem Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller gut befreundet, hebt er an, und die Commerzbank sei ja auch eine tolle Bank. Aber sie sei nun mal "außerordentlich gut bewertet". Nur über Restrukturierungen sei in diesem Fall Wertsteigerung zu erreichen, was aber in dem sozialpolitischen Umfeld in Deutschland nicht durchführbar wäre. Die Postbank wiederum setze sich seines Wissens nach bei der Eigenkapitalrendite nur ein Ziel von 15 Prozent. Das ist für die Deutsche Bank mit ihren 25 Prozent indiskutabel. "Deshalb werden wir auch bei der Postbank nicht zugreifen", versucht Ackermann Luft aus den Übernahmespekulationen zu lassen.
Durch einen Zukauf einer der großen Player im deutschen Markt glaubt Ackermann also keinen Mehrwert für seine Aktionäre schaffen zu können. Im Gegenteil. In einer Analyse sei man schon mal zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solcher Schritt zu einem 20-prozentigen Ertragsverlust führen würde, fügt er hinzu.
Der Deutsche Bank-Chef setzt deshalb auf die Karte "gezielte Ergänzungsakquisitionen" und organisches Wachstum. Unter solchen Zukäufen versteht er solche wie die Norisbank und die Berliner Bank, die er im Sommer für mehr als eine Milliarde Euro erworben hat. Das seien kleine, intelligente Transaktionen ohne Risiko bei der Ausführung und hohem Restrukturierungsaufwand. Solche Transaktionen würden immerhin ein Ertragspotential von etwa zwei Milliarden Euro bieten. Allerdings haben sie den Börsenwert der Deutschen Bank nicht entscheidend näher an die Peer-Group in Europa herangebracht.
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