Von Henrik Müller
mm.de: Herr Professor Eichengreen, Sie warnen seit Jahren vor den Gefahren, die von den globalen Ungleichgewichten ausgehen. Wie weit ist die Welt heute von einem großen Crash entfernt?
Unüberschaubare Risiken: "Nie zuvor wies die größte Volkswirtschaft der Erde, die auch die Reservewährung der Welt stellt, derart große Leistungsbilanzdefizite auf."
mm.de: ... ein alter Ökonomen-Witz ...
Eichengreen: ... der heute die Wahrheit trifft, wie selten zuvor. Wir befinden uns in unkartierten Gewässern. Nie in der neueren Geschichte gab es eine solche Situation. Nie zuvor wies die größte Volkswirtschaft der Erde, die auch die Reservewährung der Welt stellt, derart große Leistungsbilanzdefizite auf. Dies ist eine historisch neue Situation, mit der wir keine Erfahrungen haben. Wir können nicht aus geschichtlichen Präzedenzfällen auf die heutige Entwicklung schließen. Deshalb können wir auch keine seriösen Prognosen abgeben.
mm.de: Was sagen Sie all den Finanzmarktakteuren, die behaupten, ein Crash sei ein zwar mögliches, aber extrem unwahrscheinliches Szenario?
Eichengreen: Das ist eine bloße Behauptung. Genauso übrigens, wie die Vorhersage, dass wir demnächst einen Crash an den globalen Finanzmärkten erleben werden. Dies ist eine Phase echter Ungewissheit. Es wäre schlicht unseriös, verschiedenen Szenarien Eintrittswahrscheinlichkeiten zuordnen zu wollen. Aber eine Vorhersage wage ich: Je länger diese Situation anhält, und je stärker sich das Leistungsbilanzdefizit der USA aufbläht, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir schlimme Folgen erleben werden.
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