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manager magazin



01.08.2006
 

Weltwirtschaft

"Die Risiken sind unüberschaubar"

Von Henrik Müller

Eines Morgens werden die Gläubiger Amerikas aufwachen und ihre Dollar auf den Markt werfen - so beginnt Barry Eichengreens Crash-Szenario. Ein Interview mit dem US-Währungsexperten über weltweite Ungleichgewichte, die Stabilität des Dollar-Kartells und die Frage, warum das Wort Steuererhöhungen in den USA tabu ist.

mm.de: Herr Professor Eichengreen, Sie warnen seit Jahren vor den Gefahren, die von den globalen Ungleichgewichten ausgehen. Wie weit ist die Welt heute von einem großen Crash entfernt?

Unüberschaubare Risiken: "Nie zuvor wies die größte Volkswirtschaft der Erde, die auch die Reservewährung der Welt stellt, derart große Leistungsbilanzdefizite auf."
[M] dpa; mm.de

Unüberschaubare Risiken: "Nie zuvor wies die größte Volkswirtschaft der Erde, die auch die Reservewährung der Welt stellt, derart große Leistungsbilanzdefizite auf."

Eichengreen: Wissen Sie, Ökonomen sind groß im Prognostizieren - aber sie sind schlecht darin, eine zutreffende Prognose zu erstellen ...

mm.de: ... ein alter Ökonomen-Witz ...

Eichengreen: ... der heute die Wahrheit trifft, wie selten zuvor. Wir befinden uns in unkartierten Gewässern. Nie in der neueren Geschichte gab es eine solche Situation. Nie zuvor wies die größte Volkswirtschaft der Erde, die auch die Reservewährung der Welt stellt, derart große Leistungsbilanzdefizite auf. Dies ist eine historisch neue Situation, mit der wir keine Erfahrungen haben. Wir können nicht aus geschichtlichen Präzedenzfällen auf die heutige Entwicklung schließen. Deshalb können wir auch keine seriösen Prognosen abgeben.

mm.de: Was sagen Sie all den Finanzmarktakteuren, die behaupten, ein Crash sei ein zwar mögliches, aber extrem unwahrscheinliches Szenario?

Eichengreen: Das ist eine bloße Behauptung. Genauso übrigens, wie die Vorhersage, dass wir demnächst einen Crash an den globalen Finanzmärkten erleben werden. Dies ist eine Phase echter Ungewissheit. Es wäre schlicht unseriös, verschiedenen Szenarien Eintrittswahrscheinlichkeiten zuordnen zu wollen. Aber eine Vorhersage wage ich: Je länger diese Situation anhält, und je stärker sich das Leistungsbilanzdefizit der USA aufbläht, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir schlimme Folgen erleben werden.

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