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manager magazin



07.06.2006
 

Ölmarkt

"Vagabundierendes Geld"

Von Rita Syre

Seit 2003 ist der Ölpreis von knapp 29 Dollar je Barrel auf mehr als 70 Dollar gestiegen. Das liege keineswegs an zur Neige gehenden Vorräten oder zu geringen Raffineriekapazitäten, so die Einschätzung des Ölriesen ExxonMobil. Vielmehr sei spekulatives Geld daran Schuld.

Tankstelle von Exxon Mobil: Hohe Nachfrage aus den USA
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AP

Tankstelle von Exxon Mobil: Hohe Nachfrage aus den USA

Frankfurt am Main - "Weder wir, noch unsere Enkel, noch deren Enkel werden das Ende des Öls erleben", sagt K.H. Schult Bornemann. Der Mann vom internationalen Energieriesen ExxonMobil versucht die weit verbreitete Annahme zu entkräften, dass in 45 Jahren kein Öl mehr vorhanden sei. Der Begriff "Ölreichweite" wird seiner Ansicht nach missverständlich verwendet: Der technische Fortschritt, mit dem neue Energievorkommen entdeckt und erschlossen werden könnten, werde dabei nicht berücksichtigt.

Nach Berechnungen von ExxonMobil steigen die weltweit vorhandenen Ölreserven "kräftig". Im vergangenen Jahr hätten sie weltweit um 1,2 Prozent auf 175,4 Milliarden Tonnen zugenommen. Verbraucht wurden dagegen 3,8 Milliarden Tonnen - ein Anstieg um 1,2 Prozent. Abermals ist die USA mit 950 Millionen Tonnen der größte Verbraucher, gefolgt von den boomenden Volkswirtschaften China und Hongkong (325,5 Millionen Tonnen) sowie von Japan (243 Millionen Tonnen). Deutschland rangiert auf Platz 5 (121 Millionen Tonnen).

USA treibt die Preise in Deutschland

Die große Nachfrage aus den USA sei mit verantwortlich dafür, dass in Deutschland die Benzin- und Ölpreise so stark geklettert seien "Die USA kaufen verstärkt Öl von Raffinerien in Deutschland, was den Preis stark steigen lässt", sagt Schult Bornemann. Dabei werde der Preisdruck noch durch den aktuell schwachen Dollar gebremst. "Wenn der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro paritätisch wäre, dann würden die Benzinpreise um weitere 20 Prozent nach oben schnellen."

Gefördert wurden im vergangenen Jahr 3,9 Milliarden Tonnen Rohöl (plus 1,3 Prozent), wobei nach wie vor Saudi-Arabien mit einer Fördermenge von 532,6 Millionen Tonnen die Nummer eins ist. Es folgen die Russische Föderation (472 Millionen Tonnen), die USA (314,9 Millionen Tonnen) und an vierter Stelle der Iran. Das Land hat im vergangenen Jahr 200 Millionen Tonnen aus der Erde geholt.

Ob der Atomstreit mit dem Iran tatsächlich zu einem Lieferstopp führen und den Ölpreis weiter in die Höhe treiben wird, dazu will Schult Bornemann keine Prognose abgeben. Tatsache ist jedoch: Der Iran gehört mit 18,1 Milliarden Tonnen Ölreserven nach Saudi-Arabien und Kanada zu den drei ölreichsten Ländern der Welt.

Finanzakrobaten als Ölpreistreiber

Den Vorwurf, dass Ölmultis wie ExxonMobil nicht frühzeitig in neue Förderkapazitäten investiert und damit den Preisanstieg unterstützt hätten, weist Schult Bornemann zurück. Lediglich 15 Prozent der Weltölförderung gehe auf die zehn größten privaten Ölgesellschaften zurück. Die Ölindustrie habe auch keineswegs durch eine Verknappung der Raffineriekapazitäten den Preisanstieg gefördert. Die Kapazitäten seien statt dessen im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent auf einen Wert von 4,3 Milliarden Tonnen ausgeweitet worden.

Als gewichtigen Treiber des Ölpreises macht der ExxonMobil Experte stattdessen den Finanzsektor aus. Er erinnert an Schätzungen, dass 20 bis 25 Dollar je Barrel von den derzeitigen Notierungen um 72 Dollar auf spekulatives Kapital zurückzuführen seien. Fest steht für ihn zumindest, dass die Nachfrage allein den Preisanstieg nicht verursacht habe. Vielmehr sei in letzter Zeit eine Reihe von "vagabundierenden Geldmitteln" aus der Finanzindustrie in den Markt geflossen. Das müsse doch gesagt werden, wenn er schon mal in der Finanzmetropole Frankfurt sei.

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