Donnerstag, 9. Februar 2012, 23:11 Uhr

manager magazin



06.06.2006
 

Russlands Schulden

Deutschland will keine Milliarden

Eigentlich könnte die russische Regierung ihre rund 5 Milliarden Euro Schulden an Deutschland viel schneller zurückzahlen als geplant. Doch der Geldfluss würde Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gar nicht gelegen kommen. Lukrativer ist es offenbar, wenn Moskau stattdessen die vereinbarten Kreditzinsen zahlt.

Moskau - Russland will einen Teil seiner deutschen Schulden doch nicht früher zurückzahlen als geplant und erspart damit Finanzminister Peer Steinbrück angeblich ein zusätzliches Haushaltsloch.

Will lieber Zinsen als Schuldrückzahlung aus Russland: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
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DPA

Will lieber Zinsen als Schuldrückzahlung aus Russland: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück

"Wir sind bereit, alles zurück zu zahlen. Aber wir wissen, dass einige Länder einen Teil nicht benötigen werden", sagte der russische Finanzminister Alexej Kudrin am Dienstag in Moskau.

Mit den Gläubigerländern des Pariser Clubs will sich Kudrin jedoch noch in diesem Monat auf die Rückzahlung von zwölf Milliarden Dollar einigen. Die G8-Finanzminister werden bei ihrem Treffen in Sankt Petersburg in dieser Woche nach Worten von Kudrin nicht über Wechselkurse reden, da keine Notenbanker an dem Treffen teilnehmen.

Russland hatte sich bereit erklärt, seine gesamten Schulden von 22 Milliarden Dollar an den Pariser Club zurückzuzahlen. Steinbrück wehrte sich gegen zu üppige Rückzahlungen, weil dadurch die Kosten für ein Verbriefungsgeschäft steigen würden.

Deutschland muss Rückzahlungsrunde nicht mitmachen

Deutschland hatte 2004 rund 5,5 Milliarden Euro seiner Forderungen am Finanzmarkt in der so genannten "Aries"-Transaktion verbrieft und bedient diese Verbindlichkeiten wiederum aus Zinszahlungen, die Russland auf seine Schulden bei der Bundesrepublik leistet.

Würde Russland diese Schulden vorzeitig tilgen, sinken auch die Zinszahlungen an Deutschland. Steinbrück wäre gezwungen, die entstehende Finanzlücke beim "Aries"-Geschäft aus der Haushalts-Kasse zu decken. Zwar würde ein üppiger Scheck aus Russland die Neuverschuldung vermindern. Die dadurch entstehenden Zinseinsparungen sind aber geringer als die Mittel, die für Aries fällig sind. Bereits 2005 hatte Russland fünf Milliarden Euro an die Bundeskasse überwiesen.

Vor allem wegen des Ölbooms gilt Russland inzwischen als guter Schuldner und kann mit besseren Konditionen als früher rechnen. Doch selbst wenn Russland im Pariser Club eine neue Rückzahlungsrunde durchsetzen sollte, müsste Deutschland das Geld nach den Regeln der Organisation nicht annehmen. Es ist allerdings fraglich, ob die Bundesregierung diesen Kurs bis 2014 durchhalten kann, wenn die letzte "Aries"-Anleihe ausläuft.

reuters

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