Von Anne Preissner
"Alle Preise gesenkt. Größte Aldi-Preisermäßigung aller Zeiten" - die Euro-Bargeldeinführung zum 1. Januar 2002 bescherte dem Discounter einen gewaltigen Imagegewinn. Während zahlreiche Konkurrenten wie Raubritter dastanden, konnte der Billigheimer seinen Ruf als Robin Hood des Verbrauchers festigen.
Der Coup der gewieften Aldi-Brüder gilt als Lehrstück für ausgebufftes Preismanagement. Peu à peu hatte der Konzern bereits 2001 die Preise für einige Produkte angehoben. So kostete eine Flasche Sekt der Marke Erlenbrunn ab März 2001 umgerechnet 3,57 Euro - eine satte Erhöhung um nahezu 17 Prozent. Doch pünktlich zur Euro-Einführung stand der Schaumwein für 3,49 Euro im Regal - Preis gesenkt, Popularität erhöht.
Zum 1. Januar 2007 stehen Handel und Hersteller erneut vor einer gigantischen Herausforderung: Wie lässt sich die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 Punkte auf 19 Prozent durchsetzen, ohne dass Umsatz und Ertrag dramatisch einbrechen?
Maues Konsumklima und mickrige Margen
"Im Handel grassiert die Angst", weiß James Bacos, Berater bei Mercer Management Consulting. Schon bei der letzten Mehrwertsteuererhöhung 1998 um nur 1 Prozentpunkt dauerte es durchschnittlich ein dreiviertel Jahr, ehe sich die Nachfrage wieder stabilisierte, so die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE).
Jetzt kommt es noch dicker. HDE-Präsident Hermann Franzen fürchtet, dass seine Klientel auf einem erheblichen Teil der Erhöhung sitzen bleibt - auf 9 der geschätzten 21 Milliarden Euro, die sich der Staat als Mehreinnahme erhofft.
Finanzwissenschaftler stützen seine These. Es brauche mindestens zwei Jahre, ehe es dem Handel gelingen könne, die Steuererhöhung auf die Verbraucher umzuwälzen, prognostizieren die Volkswirte vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.
Maues Konsumklima, mickrige Margen und mörderischer Wettbewerb - der Handel, so scheint es, sitzt in der Mehrwertsteuerfalle. "Der Verhandlungsspielraum mit den Lieferanten tendiert gegen null", betont Achim Egner, Chef der Rewe Group.
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