Colleen-Bettina (43, genannt Tini) besitzt ein Schmuckdesignstudio samt Werkstatt im edlen Hamburger Stadtteil Harvestehude. Sie ist handwerklich begabt, häkelt in Gesellschaftersitzungen ("Ich kann einfach nicht still sitzen") und unterzeichnet Protokolle schon mal mit einem grell orangefarbenen Filzstift.
Katarina (54), wegen ihrer Tierliebe "Katze" gerufen, braucht offenbar viel Bares für ihr Gestüt im hessischen Wäldershausen. "Bei ihr besteht die größte Gefahr, dass sie aus der Gemeinschaft der Schwestern ausschert", sagt ein Vertrauter der Familie.
Da sei Gabi vor. Die zweitälteste Quandt-Tochter ist Vorsitzende der Gesellschafterversammlung und nimmt eine Art Mutterrolle ein. Als Einzige trägt sie Quandt noch im Namen.
Wenn sich die Quandt-Frauen viermal im Jahr zur Gesellschafterversammlung in Bad Homburg treffen - Florian ist gelegentlich als Gast dabei -, führt Gabi meist das Wort. "Sie verbindet ökonomischen Sachverstand mit Hausfrauenschläue", lobt ein Geschäftspartner. Kommt es, was selten passiert, zu Unstimmigkeiten, gleicht Gabi die lnteressen aus, zur Not auch finanziell.
Bei ihren Entscheidungen werden die Schwestern von einem dreiköpfigen Beirat unter Führung des Hanauer Familienunternehmers Jürgen Heraeus (69) unterstützt. Die wichtigste Vertrauensperson ist jedoch Holdinggeschäftsführer Axel May (57). Der Hamburger Rechtsanwalt blieb auch nach der Scheidung von Anette oberster Vermögensverwalter der Erbinnen.
Dank May entwickelt sich der Geldanlagebetrieb der Quandt-Töchter prächtig. Dass er sich einst bei steuerbegünstigten ostdeutschen Immobilien verkalkulierte, wurde ihm längst verziehen. Heute ist May auch Testamentsvollstrecker für die Kinder von Patricia, die vergangenes Jahr an einem Gehirnschlag starb.
Längst lockt die Quandtsche Vermögensverwaltung auch das Kapital Dritter. Franz und Frieder Burda nutzen das Family Office in Bad Homburg, Yellow-Press-Verleger Heinz Bauer ist finanziell engagiert, der Industrielle Otto Wolff von Amerongen ebenso. "Anlegen wie die Quandts" (so ein Vermögensberater) ist offenbar ein besonderes Glücksmoment.
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