Von Henrik Müller
Zusammenfassung der ökonomischen Funktionen des Sozialstaats
(...) Der Nationalstaat entstand in einer Phase gigantischer ökonomischer Umwälzungen - und die Ausbildung des Nationalstaats wiederum beförderte das Aufblühen der Wirtschaft. So räumt selbst der Historiker Hans-Ulrich Wehler, ansonsten ein Kritiker alles Nationalen, "stattliche Erfolge" ein. (...)
(...) Die ökonomischen Funktionen des Nationalstaats lassen sich wie folgt zusammenfassen: Die staatlich durchgesetzte Sprache und Kultur schuf die Kommunikationsbasis, ohne die eine arbeitsteilige, hoch entwickelte Wirtschaft nicht entstehen kann. Der gemeinsame Kultur- und Kommunikationsraum stiftete Vertrauen gegenüber Fremden der gleichen Nationalität, ohne das die Transaktionen auf anonymen Märkten, ohne das auch die Zusammenarbeit in größeren Unternehmen und staatlichen Bürokratien unmöglich wäre.
Die Herausbildung einer nationalen Identität stellte eine Lösung für das Problem der kollektiven Güter dar, deren Existenz für das Funktionieren einer hoch entwickelten Ökonomie unerlässlich ist, die aber in anonymen Gesellschaften schwierig herzustellen sind.
Der demokratische Nationalstaat bot ein verbindliches Rechtssystem, das allen Bürgern gleiche Rechte zugestand. Der freiwillige Tausch von Gütern und Leistungen, Basis der arbeitsteiligen Wirtschaft, wurde erheblich erleichtert; die Transaktionskosten sanken.
Der Nationalstaat ermöglichte die Schaffung einheitlicher Binnenmärkte mit großräumiger Infrastruktur, auf denen industrielle Größenvorteile ("Economies of Scale") ihre ökonomische Macht entfalten konnten. Bis dahin ungeahnte Produktivitätssteigerungen waren die Folge.
Der Nationalstaat brachte gesellschaftliche Stabilität, indem er die Voraussetzung bot, kollektive Sicherungssysteme zu schaffen und die großen Sozialkonflikte zu institutionalisieren. Nebenbei bemerkt: Ohne gemeinsame Sprache, ohne gemeinsamen Kommunikationsraum, ohne gegenseitiges Vertrauen fehlt auch der Demokratie die Basis. (...)
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