05.04.2006
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Das deutsche Drama

Wie wir den Glauben an uns selbst verloren

Von Henrik Müller

Lesen Sie im ersten Teil der Serie "Das deutsche Drama", warum die Deutschen Schwierigkeiten haben, sich als Schicksalsgemeinschaft im globalen Wettstreit zu begreifen.

"Meine Gedanken durchschweiften mein langes Berufsleben, inzwischen bin ich längst Rentner und stellte Vergleiche zwischen früher und heute an.

  Henrik Müller , Redakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen. manager-magazin.de präsentiert in der Serie "Das deutsche Drama" exklusiv Auszüge aus seinem soeben erschienenen Buch "Wirtschaftsfaktor Patriotismus. Vaterlandsliebe in Zeiten der Globalisierung".
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Henrik Müller, Redakteur bei manager magazin, schreibt über wirtschaftspolitische Themen. manager-magazin.de präsentiert in der Serie "Das deutsche Drama" exklusiv Auszüge aus seinem soeben erschienenen Buch "Wirtschaftsfaktor Patriotismus. Vaterlandsliebe in Zeiten der Globalisierung".

Was ist anders geworden? Den Schwung und die Freude am Arbeiten, die wir damals hatten, gibt es nicht mehr. Heute macht man mehr oder weniger begeistert einfach seinen Job. Zwar ist die Gier nach Geld und Reichtum, nach persönlicher Anerkennung und gesellschaftlicher Stellung nach wie vor vorhanden, doch vorrangig ist die Besitzstandswahrung. Lust auf Leistung? Warum? Wieso?

Lohnt sich Engagement, Einsatz und Herzblut noch? In den 50er und 60er Jahren hat man sich für die Firma zerrissen. Die Firma war das halbe Leben. Man war stolz, einer Firma anzugehören. So wie ich damals stolz war, ein Maybächler und MTUler gewesen zu sein. Die Unternehmer waren noch Menschen, die sich um ihre Mitarbeiter kümmerten.

Wir Arbeitnehmer erfuhren Anerkennung und Wertschätzung, die wir verdienten. Lohn war zweitrangig, der war seinerzeit sowieso nicht üppig. Mit keinem Gedanken dachten wir an die 40-Stunden-Woche. Das kam alles viel später. Ja, das waren noch Zeiten! Die Geschäftsleitungen schwebten noch nicht in fernen Regionen, unerreichbar für den normalen Arbeitnehmer, wie heute.

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Henrik Müller: "Wirtschaftsfaktor Patriotismus. Vaterlandsliebe in Zeiten der Globalisierung"; Eichborn Verlag, März 2006, 236 Seiten, 19,90 Euro.

Firmenchefs im Zeitalter der Globalisierung sind nur noch ihren Aktionären verantwortlich. Arbeitskraft ist nicht mehr als ein Kostenfaktor, den man notwendig wegrationalisieren kann. Kehren wir zurück zu einer echten Solidargemeinschaft. Kein Mensch lebt für sich allein. Deutschland kann und ist in der Lage jede Krise zu meistern. Man muss nur wollen."

Im Februar 2004 erhielt ich diesen Leserbrief eines alten Mannes aus dem Württembergischen. Mühevoll war der Brief auf der Schreibmaschine getippt, es wimmelte von Fehlern. Nein, dies war nicht das Produkt eines Intellektuellen, sondern es waren, wie er selbst schrieb, "Gedankengänge eines einfachen Mannes ohne Hochschulabschluss".

Ich war beeindruckt von der Schilderung des Geists der frühen Jahre, aber auch abgestoßen von der Früher-war-alles-besser-Attitüde. Aber ist es nicht genau dieser Spirit, dieser Wille zum Wachstum, diese gemeinschaftliche Kraftanstrengung - diese Haltung, die sich heute viele zurückwünschen?

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