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manager magazin



27.03.2006
 

DaimlerChrysler

Zetsche zieht bei Smart die Notbremse

Das Milliardengrab Smart wird noch tiefer. DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche will die Produktion des Viersitzers einstellen. Die Kleinwagenmarke soll zudem vollständig in die Mercedes-Organisation integriert werden. Zetsche nimmt damit erneut eine Ergebnisbelastung von rund einer Milliarde Euro in Kauf.

Stuttgart - Nach einem ersten milliardenteueren Sanierungsversuch vor knapp einem Jahr hat der Autobauer DaimlerChrysler Chart zeigen bei der hochdefizitären Kleinwagentochter Smart erneut die Notbremse gezogen. Das viersitzige Modell "forfour" soll eingestellt und Smart vollständig in die Mercedes-Organisation integriert werden, wie der Automobilhersteller am Wochenende überraschend mitteilte.

Beendet hochfliegende Pläne: Konzern-Chef Dieter Zetsche will die viersitzige Version der Kleinwagenmarke Smart einstellen
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DPA

Beendet hochfliegende Pläne: Konzern-Chef Dieter Zetsche will die viersitzige Version der Kleinwagenmarke Smart einstellen

Damit beendete der erst seit Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche die einst hochfliegenden Pläne und leitete bereits den dritten drastischen Sanierungsschritt im Konzern ein.

Im April vergangenen Jahres hatte der damals noch für die Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach verantwortliche DaimlerChrysler-Vorstand Eckhard Cordes bereits die Notbremse bei der hohe Verluste schreibenden Tochter Smart gezogen: Er stoppte ein geplantes Freizeitmodell, beschloss die Einstellung des Smart "roadsters" und begann die einst eigenständige Tochter weitgehend in die Mercedes-Organisation zu integrieren. Außerdem wurden in der Zentrale 600 von 1350 Stellen abgebaut.

Analysten zeigten sich von jeher skeptisch

Gleichzeitig hatte Cordes versprochen, mit den beiden verbleibenden Fahrzeugmodellen, dem zweisitzigen "fortwo" und dem viersitzigen "forfour", bis 2007 die Gewinnschwelle zu erreichen. Dazu sei eine Ergebnisverbesserung von 600 Millionen Euro notwendig. Genaue Zahlen über die Gesamtinvestitionen und die operativen Verluste hat DaimlerChrysler niemals bekannt gegeben. Insgesamt kostete dieser Sanierungsschritt rund 1,1 Milliarden Euro. Nicht zuletzt deshalb wies die Mercedes Car Group (MCG) im vergangenen Jahr einen Verlust von 505 Millionen Euro aus.

Viele Automobilexperten und Analysten hatten schon damals bezweifelt, dass sich der Viersitzer jemals rechnen wird. Den ursprünglich geplanten Jahresabsatz von 80.000 Einheiten erreichte das gemeinsam mit dem Partner Mitsubishi Motors entwickelte und bei dessen Tochter Nedcar in den Niederlanden produzierte Fahrzeug nie. Allerdings hatte der Stuttgarter Automobilhersteller bis zuletzt betont, eine Einstellung des "forfour" sei aufgrund der langfristigen Verträge mit MMC und Lieferanten teuerer als der Weiterbetrieb.

Zetsche nimmt erneut Milliardenbelastung in Kauf

Nun scheint der neue Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche zu einem anderen Ergebnis gekommen zu sein: Um die avisierte Gewinnschwelle bei Smart bis 2007 doch noch zu erreichen, beschloss er die Einstellung des Viersitzers und nimmt damit erneut eine Ergebnisbelastung von rund eine Milliarde Euro in Kauf. Ob der kurzfristige Ausstieg überhaupt gelingt, und welche Kosten dann tatsächlich anfallen, ist indes noch offen. Die Verhandlungen dazu müssen DaimlerChrysler zufolge erst noch geführt werden.

Das Aus ist beschlossen: Der Smart "forfour" wird eingestellt
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Das Aus ist beschlossen: Der Smart "forfour" wird eingestellt

Zetsche beendete mit diesem Schritt die einst hochfliegenden Pläne seines Vorgängers Jürgen Schrempp und des früheren MCG-Vorstands Jürgen Hubbert. Noch vor zwei Jahren hatten diese Verkäufe von 200.000 Smart-Fahrzeugen pro Jahr für möglich gehalten und mit dem Ausbau der Modellpalette sogar ein Absatz von 300.000 Einheiten in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr verkaufte Smart dagegen gerade einmal 143.000 Fahrzeuge.

Das von Schrempp garantierte Festhalten an Smart war zuletzt immer stärker von Analysten und Investoren kritisiert worden. Sogar die beiden Großaktionäre, die arabischen Emirate Kuwait und Dubai, die mit 7,2 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent an DaimlerChrysler beteiligt sind, hatten öffentlich einen Ausstieg aus der Kleinwagentochter gefordert.

Die zweite Sanierungsrunde bei Smart ist bereits die dritte drastische Restrukturierungsentscheidung von Zetsche: Kurz nach Amtsantritt als neuer MCG-Verantwortlicher leitete er vergangenen September den Abbau von 8500 Stellen in der Pkw-Sparte ein - trotz einer unter ausgehandelten Beschäftigungssicherung. Und im Januar verordnete er der weltweiten Verwaltung eine Schlankheitskur, was bis 2008 zusätzlich 6000 Arbeitsplätze kostet.

Matthias Krust (Dow Jones Newswires)

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