Von Michael Freitag
mm.de: Mit einem höherwertigen Sortiment versucht sich Aldi auch in der Schweiz. Ist das der Weg für die Zukunft?
Roeb: Das ist von Land zu Land unterschiedlich. Für die Schweiz ist dieser Weg sicher richtig. Da ist die Frage eher, wie weit er führt, denn es stellt sich die Frage, was Aldi in die Schweiz zieht, einen sehr komplizierten, dreisprachigen Markt, der noch dazu klein ist. Da gibt es sinnvollere Ziele.
mm.de: In der Aldi-Spitze heißt es, Aldi komme als Preisführer niemals zu spät auf einen Markt ...
Roeb: Das stimmte, wenn Aldi wirklich objektiv Preisführer wäre. Sie können es aber gegen etablierte Wettbewerber nicht sein, wenn sie nicht einen Preiskrieg lostreten und jahrelang hohe Anlaufverluste akzeptieren wollen - und das wollen sie nicht.
Entsprechend ist das, was jetzt passiert, vielleicht schon zu wenig und zu spät. Aldis größter Konkurrent Lidl ist im Ausland viel weiter, kann viel größere Synergien aus seinem Auslandsgeschäft schöpfen.
mm.de: Noch hat Aldi einen Effizienz- und Kostenvorsprung vor Lidl.
Roeb: In Deutschland zumindest Aldi Süd. Da müht sich Lidl schon seit 30 Jahren vergeblich um die dafür nötige Kundenakzeptanz. Aber im Ausland ist die Situation eher umgekehrt, und das Ausland ist der größere Markt. Lidl hat damit mehr Wachstumspotenzial.
mm.de: Ihre Zukunftsprognose für Aldi?
Roeb: Die Situation ist gefährlich. In den nächsten fünf Jahren wird Aldi zwar kaum Verlust schreiben, weder im Norden noch im Süden. Aber gerade Handelsunternehmen sind nur so stark wie der Abstand zum Wettbewerb - und der erodiert.
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