Aus Babajewo berichtet Wolfgang Kaden
Polen protestiert gegen Streckenführung
Als weitaus delikater noch als das Gezerre zwischen Eon-Ruhrgas und Gazprom erwies sich aber ein anderer Konflikt, der bis heute nicht endgültig ausgestanden ist: der mit den Polen. Empört fragten polnische Politiker in Moskau, vor allem aber in Berlin nach, wieso die Pipeline nicht über den Landweg durch das EU-Mitgliedsland Polen geführt werde, sondern zu hohen Kosten - der Seeweg kostet etwa das Anderthalbfache wie der Landweg - im Meer versenkt wird. Manch einer in Warschau erinnerte gar an den Hitler-Stalin-Pakt, jenen unsäglichen Vertrag, in dem Deutsche und Russen Polen unter sich aufgeteilt hatten.
Weder deutsche noch russische Politiker konnten den Polen eine befriedigende Antwort geben. Wie auch. Es gab zwei Motive, die Gazprom und seinen deutschen Partner veranlasst hatten, die Gasleitungen in der Ostsee zu versenken. Das eine lautet Weißrussland, durch das die Leitung bei der Landroute ebenfalls hätte geführt werden müssen. Das stalinistisch regierte Land gilt als höchst instabil; zu unsicher jedenfalls für ein so aufwändiges und sicherheitsbedürftiges Projekt wie eine Gaspipeline. Dass sowohl in Weißrussland wie in der Ukraine solche Leitungen häufig illegal angezapft werden, gehört zu den unschönen Erfahrungswerten der Investoren.
Anschluss an die Unterwasserpipeline
Das andere Motiv aber sind die bisherigen Erfahrungen mit den Polen: Die haben sich die Durchleitungsrechte für die schon bestehende, nördliche Pipeline bislang üppig bezahlen lassen. So üppig, dass die russischen und die deutschen Gasmanager sich nicht noch mit der dritten Pipeline den Polen ausliefern wollten, auch wenn der Seeweg höhere Anfangsinvestitionen erfordert. Vorteil der Strecke ist, dass sie neben deutschen und russischen keine anderen Hoheitsgewässer streift.
Von all diesen Widrigkeiten und Gegenstrategien aber war am Freitag im bitterkalten Babajewo nicht die Rede. Es durfte gefeiert werden. Der historische Moment begann, als Premierminster Fradkow und Gazprom-Chef Miller ihre Gesichter hinter Schutzmasken verbargen und die Schweißpistolen zur Hand nahmen. Gemeinsam setzten sie die erste Naht zwischen den Rohren - dem Rohr, das aus Westsibirien das Gas heranschafft, und dem, das den Anschluss an die Unterwasser-Pipeline herstellt.
Anschließend durften Bernotat, Hambrecht und Miller ihre Unterschriften auf den Rohren verewigen und angemessene Worte verlautbaren. "Wir setzen hier heute", so der BASF-Chef, "einen Meilenstein für die Sicherung der Energieversorgung Europas." Miller sprach von "einem ersten Schritt auf einem langen Weg".
Dann, nach Krimsekt und Wodka, ging's zurück ins unwirtliche Deutschland - zu widerborstigen Kunden, unberechenbaren Gerichten und hyperkritischen Medien.
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