Donnerstag, 9. Februar 2012, 19:55 Uhr

manager magazin



09.12.2005
 

Milliarden-Pipeline

Gas-Männer in Babajewo

Aus Babajewo berichtet Wolfgang Kaden

Großauftrieb der Prominenz aus der Energiebranche: Mit einer symbolischen Schweißnaht begann am Freitagmittag der Bau der Ostsee-Gaspipeline. Dem milliardenschweren Projekt gingen heftige Konflikte voraus - im Gesellschafterkreis wie im politischen Umfeld. manager-magazin.de war vor Ort.

Babajewo - Sie haben es nicht leicht derzeit, unsere Männer vom Gas. Gerichte urteilen über ihr Preisgebaren, Verbraucher verweigern ihnen die Zahlung der Rechnungen, die Medien stempeln sie ab als rüde Abzocker.

Gekühlter Schatz: Erdgasproduktion im west-sibirischen Urengoy-Feld. Wintershall und OAO Gazprom wollen hier 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 40 Millionen Tonnen Kondensat fördern
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Gekühlter Schatz: Erdgasproduktion im west-sibirischen Urengoy-Feld. Wintershall und OAO Gazprom wollen hier 200 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 40 Millionen Tonnen Kondensat fördern

Schön, wenn man da dem widrigen Umfeld für ein paar Stunden entfliehen und ganz unter sich sein kann. Fernab der Heimat, in einem Ort mit dem schönen Namen Babajewo nördlich von Moskau, galt es, einen würdigen Anlass gemeinsam zu feiern: den Baubeginn für die Landverbindung jener Pipeline, die russisches Erdgas von 2010 an unter der Ostsee hindurch von Russland nach Deutschland befördern soll.

Und alle waren sie an diesem Freitagmittag gekommen: Jürgen Hambrecht, Vorstandschef von BASF Chart zeigen, der mit seiner Tochtergesellschaft Wintershall gut im Gasgeschäft mitmischt, genauso wie Eon-Vorsteher Wulf Bernotat, zu dessen Konzern Deutschlands größter Gasverteiler, die Ruhrgas, gehört. Dazu Burckhard Bergmann von Eon-Ruhrgas und Reinier Zwitserloot von Wintershall. Michael Glos, der neue Wirtschaftsminister ließ sich das Ereignis genauso wenig entgehen wie Michail Fradkow, der Premierminster der Russischen Föderation. Geladen hatte Alexej Miller, der Allmächtige des russischen Gasriesen Gazprom Chart zeigen.

"Ich war hier": Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos verewigt sich auf der Ostsee-Gaspipeline
1200 Kilometer: Die Gasleitung wird über den Grund der Ostsee verlaufen und in der Nähe von Greifswald anlanden
Gasversorgung Westeuropas gesichert: Wirtschaftsminister Michael Glos mit russischen Ministern
Unterschriften unter ein Vier-Milliarden-Projekt: Jürgen Hambrecht (BASF), Wulf Bernotat (Eon) und Alexej Miller (Gazprom) vereinbaren am 8. September  Bau und Betrieb der "Nordeuropäischen Gaspipeline". Staatspräsident Wladimir Putin und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (hinten) beim Festakt
3000 Kilometer lang: Verlauf der geplanten Gaspipeline
Handschlag zum russisch-deutschen Großprojekt: Hambrecht, Miller, Bernotat
Pionier-Unternehmung: Gaspipeline des Joint Ventures Achimgaz, das Wintershall als erster deutscher Gaskonzern mit Gazprom im Juli 2003 gründete
Energie aus der Einöde: Landstrich in Sibirien
Für einen hohen Durchsatz: Röhrenstapel bei Renovierungsarbeiten an der Gaspipeline zwischen Gryazowets und Leningrad, die Teil der nordeuropäischen Gaspipeline wird

3000 Kilometer Energie: Stationen eines Milliardenprojekts
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Die "Nordeuropäische Gaspipeline", wie sie offiziell heißt, wird die dritte Pipeline sein, die das gasreiche westsibirische Becken mit Mitteleuropa und vor allem Deutschland verbindet.

Der erste, in den 60er Jahren gebaute Rohrleitungsstrang, geht im Süden durch die Ukraine und Tschechien, der zweite weiter nördlich durch Weißrussland und Polen.

1200 Kilometer wird die neue Leitung durch die Ostsee geführt, vom russischen Wyborg bis Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Zunächst wird nur ein Rohrleitungsstrang versenkt; später dann, nach 2010, soll eine zweite Röhre folgen. Beide Leitungen können mehr als die Hälfte des deutschen Jahresbedarfs transportieren. Über vier Milliarden Euro wird das aufwändige Projekt kosten. Dazu kommt für die Deutschen noch einmal rund eine Milliarde für die Anschlussleitung ab Greifswald.

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