15.11.2005
Twitter GooglePlus Facebook

Toyota

Attacke auf BMW, Mercedes & Co.

Von Helmut Becker

2. Teil: "Stilistische Dreifaltigkeit aus Fadesse, Pomp und Merkwürdigkeit"

Die Wirklichkeit sieht allerdings leider etwas trüber aus. Und daran sind die deutschen Hersteller nicht ganz unschuldig. Denn die Berichte der deutschen Automobiljournalisten von der Tokio Motor Show über die Präsentation des deutschen Modellangebotes im Wettbewerbsvergleich mit den asiatischen Konkurrenten waren alles andere als berauschend, und zwar in allen Belangen, technisch wie stilistisch.

Zur Großansicht

Helmut Becker: "Auf Crashkurs - Automobilindustrie im globalen Verdrängungswettbewerb"; Springer 2005, 280 Seiten, 69,95 Euro.

Buch bestellen
Zum einen wollen die Japaner bereits auf der nächsten Motor Show 2007 die ersten Serienautos mit Brennstoffzelle vorstellen, bei Honda Chart zeigen und Toyota Chart zeigen bereits mit Reichweiten von 500 Kilometern. Deutsche Hersteller rechnen nicht vor 2012 mit dem Serieneinsatz. Von einem Technologievorsprung, den die deutschen Automobilhersteller immer für sich als Pluspunkt reklamiert haben, um andere Nachteile bei Qualität und Kosten zu kompensieren, kann offensichtlich keine Rede mehr sein, jedenfalls nicht mehr bei zentralen Basistechnologien für das 21.Jahrhundert.

Zum anderen leisten sich deutsche Hersteller nach Meinung der Fachjournalisten unerwartete Designflops. Da ist sogar im Hinblick auf die Gestaltung der Stufenhecks von der "stilistischen Dreifaltigkeit aus Fadesse, Pomp und Merkwürdigkeit" die Rede, wenn über BMW 3er, Mercedes S-Klasse und VW Passat gesprochen wird. Auf der anderen Seite zeige Toyota mit den Lexus-Modellen IS,GS und LS, dass man im elitären Umfeld der Top-Premiummarken eine eigene Formensprache gefunden habe, die hohe Wertigkeit mit subtiler Dynamik verbinde.

Das meistverkaufte Luxusauto in den USA

Oh je! Diese Designschwäche der Europäer kommt zum denkbar ungünstigsten Augenblick, nämlich just zu dem Zeitpunkt, an dem Toyota wie weiland die Kinder Israels vor Jericho in Japan zur Attacke auf die Premiumimporteure ansetzt. Und damit auf eine bisher kaum angefochtene Marktnische, in der bisher fast nur deutsche Nobelmarken glänzten.

Und dieser Angriff erfolgt auf ganzer Breite mit einem eigens geschaffenen Netz von 143 exklusiven Lexus-Niederlassungen auf einen Schlag. Und obwohl die Toyota-Marketingabteilung genau weiß, dass das Image der deutschen Nobelmarken so leicht nicht zu erschüttern ist, vertraut man voll auf die eigenen Stärken und die Effizienz des eigenen Händlernetzes. Schließlich hat man den Lexus bereits 1989 erstmals auf dem US-Markt eingeführt, auch damals von den europäischen Importeuren zunächst mild belächelt. Mit knapp 290.000 Automobilen pro Jahr ist der Lexus inzwischen das meistverkaufte Luxusauto in den USA.

So nimmt es nicht Wunder, dass Toyota fünf Jahre nach Ersteinführung in Japan über 100.000 Lexus verkaufen will. Berücksichtigt man, dass in 2004 alle deutschen Nobelmarken Audi, BMW und Mercedes 96.273 Automobile zusammen verkauft haben, sind deutliche Marktanteilsverluste der deutschen Importeure programmiert.

Aber nicht nur das: Auch die Gewinnmargen werden erheblich unter Druck geraten. Denn Toyota eröffnet die Eroberung des Heimatmarktes mit ausgesprochenen Kampfpreisen: Der billigste Lexus wird für 3,9 Millionen Yen oder 29.900 Euro angeboten. Damit kann man in Japan vergleichsweise wenig deutschen Autoluxus erwerben.

Die deutschen Nobelhersteller gehen in Japan unruhigen Zeiten entgegen.


Der Autor ist Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK) in München.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH












Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Angebote von A bis ZAngebote von A-Z
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Analysieren Sie online Ihren Standort im Vergleich zu den Besten mit CONTOR-REGIO Contor-Regio:
Analysieren Sie
online Ihren Standort
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif
Medführer: Finden Sie Ihren Arzt oder Ihre Klinik Medführer:
Finden Sie Ihren Arzt
oder Ihre Klinik
imedo Arztsuche: Ärzte, Therapeuten, Heilpraktiker und Apotheken imedo:
Ärzte, Heilpraktiker, Apotheken