Frankfurt am Main - Die angeschlagene Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) erhält Finanzkreisen zufolge Milliardenhilfen, um ihre gefährdete Refinanzierung bis zu einer Übernahme sicherzustellen. Vertreter des Einlagensicherungsfonds, mehrerer Großbanken und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hätten die Bereitstellung von 2,5 Milliarden Euro beschlossen, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters.
Kursverluste des Immobilienfinanzierers: Die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) erhält eine Liquiditätsspritze
Die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden hat derzeit Pfandbriefe im Wert von mehr als 40 Milliarden Euro im Umlauf.
Ein zweiter Beteiligter bestätigte die Größenordnung der Liquiditätshilfe, über die auch das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorab berichtete. "Es kann niemanden verwundern, dass der vereinbarte Liquiditätsschirm nun auch konkret ausgestaltet wird", sagte ein Sprecher der Gewerkschaftsholding BGAG, die die Mehrheit an der AHBR hält. Zum Umfang des Darlehens äußerte er sich ebenso wie der Bankenverband BdB nicht. Die Liquiditätshilfe soll die Zeit überbrücken, bis sich die AHBR mit einem neuen Eigner wieder in stabiles Fahrwasser kommt.
Die AHBR sollte ursprünglich gemeinsam mit der Hamelner Bausparkasse BHW
verkauft werden. An letzterer hatte die BGAG ebenfalls einen Minderheitsanteil. Die BHW hatte die AHBR praktisch kontrolliert und war auch für bestimmte Risiken der vor einigen Jahren wegen Zinsspekulationen in Schieflage geratenen Hypothekenbank gerade gestanden. Mittlerweile hat die Postbank die BHW alleine übernommen, die in diesem Zusammenhang von allen Pflichten und Forderungen bezüglich der AHBR entbunden wurde.
Um den Verkaufsprozess für die AHBR zu beschleunigen und sie zu stabilisieren, wird sie unter Einbindung der Finanzaufsicht BaFin von einer Treuhandgesellschaft kontrolliert. In dieser ist auch der Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken engagiert. Dennoch war es zunächst am Pfandbriefmarkt zu Turbulenzen mit AHBR-Papieren gekommen. Für den Fall, dass ein Verkauf der Bank als Ganzes scheitert, hat die AHBR selbst die Liquidation nicht ausgeschlossen. Ein Zusammenbruch wäre die größte Bankenpleite in Deutschland seit dem Aus der Herstatt-Bank 1974.
BdB-Präsident und Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller hatte sich aber erst vor wenigen Tagen zuversichtlich gezeigt, dass ein Komplettverkauf noch 2005 über die Bühne geht. Finanzkreisen zufolge sind der Finanzinvestor Lone Star und ein Konsortium um Christopher Flowers und George Soros an dem Immobilienfinanzierer interessiert. Auch der US-Investmentbank Merril Lynch wird weiter ein Interesse nachgesagt. Die Texas Pacific Group (TPG) sei aus dem Rennen ausgestiegen, hieß es in den Kreisen.
Erste Offerten lassen einen negativen Kaufpreis für die Bank erwarten. Die Käufer fordern also Geld dafür, dass sie den Hypothekenbank übernehmen. Im Extremfall müssten die deutschen Banken über den Einlagensicherungsfonds und womöglich die BGAG etwaige Verluste oder Risikoabschirmungen tragen.
Der Sprecher der Gewerkschaftsholding wollte sich am Samstag nicht zum Stand des Verkaufs äußern und verwies auf die Aussagen Müllers. Mit Blick auf einen Zeitungsbericht, wonach Deutschlands größte Hypothekenbank Eurohypo
an einem milliardenschweren AHBR-Portfolio interessiert ist, sagte der BGAG-Sprecher, dies stehe nicht zur Debatte. "Zum Verkauf steht die gesamte Bank", fügte er hinzu.
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