20.10.2005
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Mannesmann-Ticker

Der Windhund und die Wurst

Von Christian Buchholz und Karsten Stumm

Im spektakulären Prozess um die Millionenprämien an frühere Mannesmann-Manager haben die Bundesanwälte die bisherigen Freisprüche für die Angeklagten erschüttert. Die Staatsanwälte zeigten sich den Starverteidigern ebenbürtig, brachten sie zeitweise sogar in Erklärungsschwierigkeiten. Das Protokoll des ersten Prozesstages.

Karlsruhe, 08:20 Uhr:

Die Sonne lugt langsam hinter dem Gerichtsgebäude in Karlsruhe hervor, schon suchen sich die ersten Reporter einen günstigen Platz für ihre Arbeit. Kamerateams bauen ihre Geräte auf, Kabel werden verlegt. Zwei Polizisten bewachen die Gebäudezugänge an der Herrenstraße.

Ex-Mannesmannchef Klaus Esser (Mitte)  heute vor Prozessbeginn mit seinen Verteidigern Juergen Welp (links) und Sven Thomas (rechts): "Erhaltene Summen nicht zuvor im Dienstvertrag geregelt"
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AP

Ex-Mannesmannchef Klaus Esser (Mitte) heute vor Prozessbeginn mit seinen Verteidigern Juergen Welp (links) und Sven Thomas (rechts): "Erhaltene Summen nicht zuvor im Dienstvertrag geregelt"

Verhandelt wird heute im Bibliotheksgebäude des Bundesgerichtshofs, ein von zwei Seiten verglaster Komplex; er wird sonst für Vorträge genutzt. Wegen des großen Interesses an dem Mannesmann-Revisionsfall wird er heute zum Gerichtssaal umfunktioniert. Stellwände schützen Anwälte und Richter vor Blicken von draußen.

08:30 Uhr: Die ersten Prozessbeteiligten betreten das Gebäude. Unter ihnen auch Klaus Volk, einer der prominenten Verteidiger des Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann. Volk hatte während des ersten Mannesmann-Prozess oftmals Fernsehinterviews gegeben - und dabei stets die Sicht der Verteidigung in seine Prozessstatements einfließen lassen. Bisher ist keiner der Angeklagten persönlich erschienen.

Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser: Der Bundesgerichtshof überprüft heute die Freisprüche für Esser und fünf weitere Angeklagte im so genannten Mannesmann-Prozess. Das Gericht verhandelt über die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 22. Juli 2004, bei dem es um Millionenprämien an die Manager nach der Mannesmann-Übernahme durch das britischen Mobilfunkunternehmen Vodafone ging Bundesanwalt Gerhard Altvater: Er vertritt heute die Anklage, zusammen mit seinem acht Jahre jüngeren Kollegen Ralf Wehowsky. Beide gelten als brillante Juristen Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser: Der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes prüft heute, ob die Freisprüche für Esser, den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und vier weitere Mitangeklagten im Mannesmann-Verfahren 2004 zurecht erfolgten. Die Manager hatten sich bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone hatten selbst Abfindungen in Höhe von rund 57 Millionen Euro zugesprochen
Die Beweislage: Anklage und Verteidigung lieferten sich heute erste Gefechte. Anders als im ersten Mannesmann-Prozess in Düsseldorf stand sofort die Hauptfrage des Verfahrens im Mittelpunkt: Waren die Sonderzahlungen an Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und einige seiner Kollegen rechtens oder nicht? Von beiden Seiten abgeschirmt: Der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser in der Mitte seiner Anwälte Jürgen Welp (links) und Sven Thomas (rechts) im Verhandlungssaal des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe Würdige Atmosphäre: Das frisch renovierte erbgroßherzogliche Palais in Karlsruhe, in dem der Bundesgerichtshof untergebracht ist. Verhandelt wird heute allerdings im Bibliotheksgebäude des Gerichts

Der Revisionsprozess des Jahres
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08:40 Uhr: TV-Moderatoren von n-tv und N24 starten mit ihrer Berichterstattung, einige weitere Anwälte haben mittlerweile im Gerichtssaal Platz genommen.

08:55 Uhr: Als erster Angeklagter betritt Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser den Gerichtssaal. Er wird begleitet von seinen Verteidigern Sven Thomas aus Düsseldorf und Jürgen Welp aus Münster. Ein dritter Verteidiger ist auf dem Aushang vor dem Saal vermerkt, erscheint aber nicht: Franz Salditt aus Neuwied arbeitet neben seiner Tätigkeit als Fachanwalt für Steuer- und Strafrecht auch als Mitherausgeber der Schriftenreihe Juristische Zeitgeschichte.

09:05 Uhr: Ebenfalls im Verhandlungsraum angekommen ist Dietmar Droste, der in der ehemaligen Mannesmann-Vorstandsetage unter anderem für die Auszahlung der Vorstandsbezüge zuständig war. Droste wird von seinem Düsseldorfer Verteidigern Frank Linzenich begleitet. Sein zweiter Anwalt Jörg Anbuhl, ebenfalls aus Düsseldorf, ist während des Prozesses nicht anwesend.

09:15 Uhr: Der Vorsitzende Richter Klaus Tolksdorf betritt den Gerichtssaal, Blitzlichter leuchten auf. Tolksdorf schaut nicht in die Kameraobjektive. Er wurde zuletzt als Vorsitzender Richter des 3. Strafsenats am Bundesgerichtshof bekannt, der den Freispruch für Abdelghani Mzoudie bestätigte. Ihm hatte die Bundesanwaltschaft vorgeworfen, die Anschläge am 11. September 2001 in den USA mit vorbereitet zu haben.

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