Leverkusen - Die insolvente Traditionsfirma Agfa Photo mit derzeit noch rund 1100 Beschäftigten wird bis zum Jahresende aufgelöst. Der bisher geplante Verkauf an den britischen Fotoautomatenhersteller Photo-Me ist gescheitert, teilte Firmensprecher Thomas Schulz heute mit. Sowohl der Gläubigerausschuss, der Insolvenzverwalter als auch die Geschäftsführung der Agfa Photo hatten am Dienstag das abschließende Übernahmeangebot von Photo-Me International (PMI) zurückgewiesen.
Der Vertragsentwurf von PMI habe "zu viele Unzumutbarkeiten" erhalten, begründete Insolvenzverwalter Andreas Ringstmeier am Dienstagabend die Ablehnung der Offerte.
PMI hatte Agfa Photo als einziger Bieter komplett übernehmen und ursprünglich 400 Stellen langfristig erhalten wollen. Im abschließenden Angebot der Briten war jedoch laut Agfa Photo "de facto keine Arbeitsplatzgarantie" mehr enthalten. Darüber hinaus habe es in dem abschließenden Entwurf "noch zahlreiche weitere Verschlechterungen" im Vergleich zum früheren Verhandlungsstand gegeben.
Durch den geplatzten Verkauf fehlt dem Leverkusener Unternehmen nun das Geld, um die Produktion aufrecht zu erhalten. "Laut Beschluss der Gläubigerversammlung wird der Betrieb zum 31. Dezember geschlossen", kündigte Geschäftsführer Hans-Jörg Rauch an. Jetzt solle mit Investoren über den möglichen Verkauf einzelner Firmenteile des Fotopioniers aus Leverkusen verhandelt werden.
Es gebe weitere Interessenten, die zunächst abgewartet hätten, ob der britische Fotoautomatenbetreiber Photo-Me zum Zuge kommen werde, sagte Firmensprecher Schulz. In der nächsten Woche werde es voraussichtlich Gespräche mit mehreren Kandidaten geben. Der japanische Fotohersteller Fuji beispielsweise habe Interesse an der Großlaborgeräteproduktion im bayerischen Peiting mit 60 Beschäftigten bekundet und für diesen Donnerstag ein Angebot angekündigt, sagte Firmensprecher Schulz. Wie viele Jobs insgesamt vielleicht erhalten bleiben, ist noch nicht bekannt.
Agfa Photo hatte im Mai dieses Jahres wegen Zahlungsunfähigkeit überraschend Insolvenz angemeldet. Erst im Herbst vergangenen Jahres war die traditionsreiche Fotosparte einschließlich Laborgeräte von der Muttergesellschaft Agfa Gevaert (Mortsel/Antwerpen) an eine Investorengruppe um den Unternehmer Hartmut Emans verkauft worden.
Im November 2004 war die Agfa Photo GmbH mit Sitz in Leverkusen dann als selbstständiges Unternehmen gestartet. Doch schon ein halbes Jahr später meldete der mehr als 130 Jahre alte Hersteller von Filmen, Fotopapier, Fotochemikalien und Laborgeräten überraschend Insolvenz an. Ähnlich wie die Konkurrenten Kodak und Fuji ist der Fotohersteller in den vergangen Jahren durch den Boom der Digitalfotografie in Bedrängnis geraten.
Agfa Photo produzierte bis zur Insolvenz mit gut 1800 Beschäftigen an den Standorten Leverkusen, Köln, München, Peiting (Bayern), Windhagen (Rheinland-Pfalz) und Vaihingen Enz (Baden-Württemberg). Fast 750 Mitarbeiter wechselten seitdem in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, in der sie ein Jahr lang 90 Prozent ihres letzten Gehaltes bekommen sollen. "Aus Sicht der Geschäftsführung ist die Beschäftigungsgesellschaft für die gesamte Belegschaft vereinbart", betonte Schulz.
Nach Betriebsratsangaben sind auch 500 Mitarbeiter im weltweiten Vertrieb betroffen. So hätten in Österreich oder Tschechien bereits mehrere Vertriebsgesellschaften ebenfalls Insolvenz angemeldet. Auch die in Köln ansässige Agfa Photo Germany mit rund 70 Beschäftigten sei diesen Schritt vor wenigen Tagen gegangen.
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