Von Andreas Nölting
mm.de: Könnte sich die Allianz denn bei einem Wegzug nach Luxemburg oder London überhaupt nicht der Mitbestimmung entledigen?
Adams: Doch. Sie könnte sich nach zwei Jahren etwa in eine luxemburgische Gesellschaft wandeln, und dann ist die Mitbestimmung endgültig gefallen. Da das im Wesentlichen nur Papierarbeit ist, wäre es ein Weg aus den bürokratischen und wertvernichtenden Ineffizienzen heraus.
mm.de: Werden sich jetzt noch mehr Dax-Konzerne in eine SE wandeln?
Adams: Die Konzernlenker werden die Vorteile der SE sehr schnell verstehen. Und sollte vielleicht ein Wahlausgang kommen, der in den großen Unternehmen Schrecken auslöst, wird es sehr schnell gehen. Dann kann es sein, dass es zu einer großen Umwandlungswelle kommt. So ist ausgeschlossen, dass eine deutsche Großbank bei einem Zusammenschluss mit einer anderen europäischen Großbank die deutsche Mitbestimmung fortbestehen lässt.
Frankfurt als Holdingstandort kommt damit nicht mehr in Frage. Die Allianz macht nun vor, wie es geht und wie der Weg funktioniert. Die Konzernlenker werden nun alle diese Schritte genau studieren und eine gewisse Zeit abwarten. Aber für mich besteht kein Zweifel daran, dass dann immer mehr große deutsche Konzerne ihren Sitz in Europa dahin verlagern werden, wo man den Interessen der Unternehmen am besten entgegenkommt.
mm.de: Ist die Allianz weniger deutsch, wenn sie eine Europa AG wird?
Adams: Der Vorstand richtet sein Augenmerk nun auf ganz Europa. Galt sein wesentliches Interesse bisher Deutschland, weitet sich der Blick. Der Standort Deutschland wird eine weniger wichtige Funktion einnehmen. Und das macht bei der Europäisierung durchaus Sinn.
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