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manager magazin



12.09.2005
 

Europa AG

"Die Allianz befreit sich von deutschen Standortrisiken"

Von Andreas Nölting

2. Teil: "Die US-Entwicklung nachleben"

mm.de: Ist die neue Rechtsform ein erster leiser Abschied der Allianz aus Deutschland?

  Michael Adams  ist Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg
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Michael Adams ist Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg

Adams: Die Allianz hat sich jetzt diese Option verschafft, und diese Option ist sehr wertvoll. Es bedarf nur noch weniger Formalien, um Deutschland zu verlassen. Ob die Allianz dies plant, kann ich als Außenstehender nicht wissen. Das Unternehmen wird dies bis zur getroffenen Entscheidung bestimmt verneinen.

Aber es ist ganz klar, das deutsche Rechts-, Wirtschafts- und Sozialsystem steht nun unter Wettbewerb. Deutsche Fehlentwicklungen können nun von der Allianz sehr viel besser durch einen Wegzug gekontert werden. Das ist ein langfristig sehr wichtiger Teil der Umwandlung. Man hat sich von den deutschen Standortrisiken befreit.

mm.de: Bisher haben sich europaweit nur 20 Konzerne für die Gesellschaftsform der SE entschieden. Setzt die Allianz jetzt ein Zeichen gerade bei den Dax-Konzernen?

Adams: Ja, wir werden in Europa, wenn alles gut geht, die amerikanische Entwicklung nachleben. Auch dort haben sie einen riesigen Wirtschaftsraum und wie in Europa das Recht der einzelnen Bundesstaaten der USA, ihr eigenes Wirtschaftsrecht erlassen zu können. Es hat sich nun gezeigt, dass es eine sehr starke Konzentration des Sitzes aller US-Konzerne im US-Staat Delaware gibt.

In Delaware finden sie ein sehr kompetentes Wirtschaftsrecht, sehr schnell handelnde Behörden, Gerichte und einen Gesetzgeber, der den Bedürfnissen der Konzerne rasch nachkommt. Das muss nicht immer zum Vorteil der Aktionäre sein. Aber wir werden diese Tendenz in Europa bekommen, dass sich einige Länder wie etwa Luxemburg und Irland oder die britische Hauptstadt London auf solche Konzernholdings spezialisieren.

mm.de: Wird die Allianz bei einem Umzug auch ihre Zentrale von München nach Luxemburg verlegen?

Adams: Ja, eine Sitzverlegung würde bedeuten, dass der entscheidende Kreis von Personen Deutschland verlassen wird.

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