Donnerstag, 9. Februar 2012, 16:00 Uhr

manager magazin



12.09.2005
 

Europa AG

"Die Allianz befreit sich von deutschen Standortrisiken"

Von Andreas Nölting

Die Allianz will sich von einer deutschen in eine Europa AG wandeln. Damit verschafft sich der Finanzkonzern die Option, ohne große Formalitäten Deutschland zu verlassen. Weitere Konzernlenker werden diesen Weg genau studieren und bei einem für sie misslichen Wahlausgang ebenso umfirmieren, fürchtet Wirtschaftsjurist Michael Adams.

mm.de:

Die Allianz Chart zeigen möchte sich von einer Aktiengesellschaft in eine Europa AG wandeln. Was treibt den Münchener Finanzkonzern?

  Dunkle Wolken über dem Standort D:  Mit der Rechtsform Europa AG wird es für deutsche Konzerne zu einer reinen Formalität, den Sitz der Gesellschaft in das Ausland zu verlagern
[M] DDP;manager magazin.de

Dunkle Wolken über dem Standort D: Mit der Rechtsform Europa AG wird es für deutsche Konzerne zu einer reinen Formalität, den Sitz der Gesellschaft in das Ausland zu verlagern

Adams: Die Europa AG bietet eine einheitliche Gesellschaftsform, die in allen europäischen Ländern gilt. Neben die nationalen Gesellschaftsformen tritt die Europa AG. Die Allianz ist damit keine deutsche AG mehr, sondern eine Europäische Gesellschaft.

Es gibt auch weitere Vorteile dieser Europa-Gesellschaft. Da ist vor allem die Sitzverlegung zu nennen. Es ist für eine Europa AG ohne Probleme möglich, ihren Sitz von Deutschland zum Beispiel nach Luxemburg oder London zu verlegen. Das ist für einen Finanzkonzern natürlich besonders interessant. Eine deutsche Aktiengesellschaft würde bei einer Sitzverlegung aufgelöst. Eine Societas Europaea (SE) kann sich im europäischen Raum frei bewegen.

mm.de: Ein Druckmittel gegenüber der deutschen Politik?

Adams: Genau. Wenn man zum Beispiel mit den nicht mehr wettbewerbsfähigen deutschen Steuerregelungen nicht mehr einverstanden ist, zieht man mit der Europa AG einfach in ein Land, in dem man besser behandelt wird. Die besseren Bedingungen können neben besseren Steuerregelungen vor allem der Wegfall der wertvernichtenden und überholten Mitbestimmung sein.

Zwar ist diese in einem äußerst komplexen Anhang so geregelt, dass sie der deutschen Europa AG erst einmal ins Ausland folgt, aber durch Umwandlungen in eine luxemburgische oder englische AG, die im Wesentlichen nur Papierarbeit bedeuten, könnte man später dieses Hemmnis elegant loswerden. Das lohnt sich, ist die deutsche Mitbestimmung doch für einen Wertverlust der betroffenen Unternehmen in Höhe von über 30 Prozent verantwortlich.

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