13.09.2005
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Bundesländer-Ranking

46.000 Euro Schulden pro Kopf

Von Kai Lange

4. Teil: Was nach der Wahl passieren muss

Was nach der Wahl passieren muss

ZEW und Bertelsmann-Stiftung ergänzen ihre Berechnungen durch finanzpolitische Empfehlungen. Es bleibt nicht bei der allgemeinen Empfehlung, die Ausgaben zu senken und die staatlichen Einnahmen - vor allem durch kräftigeres Wirtschaftswachstum und eine Reform des Arbeitsmarktes - zu erhöhen.

Sachsen: Sachsen steht unter den ostdeutschen Bundesländern finanziell am besten da - gelten Städte wie Leipzig und Dresden (hier: das Kreuz der Frauenkirche bei Sonnenuntergang) doch als wirtschaftliche "Leuchttürme" in der Region, die besonders stark durch Milliarden Euro aus dem Solidarpakt gefördert werden. Die Verschuldung von 3669 Euro pro Einwohner war 2002 sehr übersichtlich: Bis 2020 droht ein Ansteigen auf 23.019 Euro. Auf Grund der bisherigen Transferzahlungen wird auch Sachsen seine Ausgaben in den kommenden Jahren überproportional stark senken müssen. Hessen: Das Bundesland rund um die Bankmetropole Frankfurt am Main zählt mit einer Durchschnittsverschuldung von 5351 Euro pro Kopf zum Spitzentrio. Mit 22.000 Euro pro Kopf wäre Hessen im Jahr 2020 laut Projektion verschuldet, wenn das Land nicht stärker als bisher konsolidiert - das wäre aber nicht einmal halb so viel wie der Gesamtdurchschnitt in Deutschland. Baden-Württemberg: Im "Ländle" achtet man nicht nur aufs Geld - dank zahlreicher Industrieansiedlungen wird dort auch gut verdient. Gerade einmal 3753 Euro Schulden pro Kopf drückten das südwestliche Bundesland im Jahr 2002 - der Sparbedarf liegt im Musterländle bei gerade einmal 5,6 Prozent der aktuellen Ausgaben und damit noch niedriger als in Bayern. Bayern: Gerne verweist Landesvater Edmund Stoiber auf die Finanzen - dort standen 2002 lediglich 2619 Euro Schulden pro Einwohner zu Buche. Bremen und Berlin waren demgegenüber siebenmal so stark verschuldet. Bayern droht lediglich eine Pro-Kopf-Verschuldung von rund 15.000 Euro im Jahr 2020 - dort lag Bremen bereits vor drei Jahren. Den Sparbedarf von 7,3 Prozent der Ausgaben pro Jahr könnte Bayern auch anders ausgleichen - durch den lang erhofften Aufschwung nach der Wahl und durch steigende Besucherzahlen beim Weltereignis Oktoberfest.

Die Tabellenführer:
Sachsen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern

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Die Autoren empfehlen unter anderem den Ausstieg aus dem Berufsbeamtentum, die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen sowie Gebietsreformen, um den Verwaltungsapparat zu straffen. Außerdem sei eine Streichung von Subventionen, eine Veränderung der Pflegeversicherung zu einem kapitalgedeckten System sowie die Erhöhung der Lebensarbeitszeit notwendig.

Die Staatsquote, also der Anteil der Staatsausgaben an der Gesamtleistung der Volkswirtschaft, sei in Deutschland mit knapp 50 Prozent wesentlich höher als in den USA (35 Prozent), Kanada (40 Prozent) oder Großbritannien (42 Prozent). Dies zeige, dass Deutschland noch viel Potenzial habe, um durch Kürzung der Ausgaben effizienter zu werden.

Schweden und Kanada zeigen, wie es geht

Der Blick ins Ausland zeigt außerdem, dass ein Abbau der Staatsverschuldung und sogar der Aufbau von Überschüssen möglich seien: In Schweden gibt es seit 1997 Ausgabengrenzen, so die Autoren der Studie.

Die Staatsverschuldung reduzierte sich seitdem von rund 85 Prozent des BIP auf nunmehr nur noch 60 Prozent. Kanada, Australien und Dänemark seien weitere positive Beispiele, die zeigen, dass die Schuldenfalle vermieden werden kann.

Das Fazit der Autoren dürfte manchen Wahlkämpfern in den Ohren klingen, die in den letzten Tagen vor der Wahl noch auf Schweden, Kanada, Australien und Dänemark verweisen und den Wählern Hoffnung mitgeben wollen: "Eine Umkehr des negativen finanzpolitischen Trends ist möglich", heißt es nüchtern. "Wenn sie denn gewollt wird."

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