Von Kai Lange
Hamburg - 1,43 Billionen Euro Schulden hat Deutschland bis zum Jahr 2005 angehäuft. Das schreibt sich schnell dahin und bringt keinen Wahlkämpfer wirklich aus der Ruhe. Etwas bedrohlicher sieht die Zahl aus, wenn man stattdessen 1437 Milliarden Euro schreibt, oder besser: 1.437.000.000.000 Euro. Das sind, mit Verlaub, 65 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in Deutschland.
Der Schuldenberg hindert die Regierenden nicht daran, neue Schulden draufzusatteln. Das Bundesfinanzministerium rechnet für 2005 mit einer Neuverschuldung von rund 35 Milliarden Euro. Die deutschen Steuerzahler müssen pro Tag bereits rund 100 Millionen Euro Zinsen zahlen, um die Schulden der Vergangenheit zu bedienen.
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Die Schuldenkönige: Bremen, Berlin, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern Bitte klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen. |
Das Thema Schulden ist auch deshalb unbeliebt, weil wir uns an die unvorstellbar hohen Zahlen bereits gewöhnt haben - und weil es sich auf die Sünden der Vergangenheit bezieht. Wer blickt schon gerne zurück, wo doch alle von Aufbruch reden in Deutschland.
Blick nach vorn: Verdreifachung der Schuldenlast
Die Bertelsmann-Stiftung hat deshalb die Blickrichtung geändert und in einer Projektion errechnet, wie sich Deutschlands Schulden in den kommenden Jahren entwickeln werden, wenn Bund und Länder weiter so wirtschaften wie bisher. Der "Schuldenmonitor" von Bertelsmann-Stiftung und Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) führt außerdem die Verschuldung deutlicher vor Augen, weil er die aktuelle und künftige Belastung der Bürger in den einzelnen Bundesländern zeigt.
Der Blick nach vorn zeigt außerdem, wie viel die einzelnen Bundesländer einsparen oder zusätzlich erwirtschaften müssen, um die Verschuldung zumindest auf dem aktuellen Niveau einzudämmen - ein bescheidenes Ziel, doch allein damit haben die künftigen politischen Lenker in Bund und Ländern bereits alle Hände voll zu tun.
Pleitegeier: Deutschlands Verschuldung wird dramatisch ansteigen - wenn nach der Wahl nichts passiert
Die Schuldenquote, die laut Europäischem Stabilitätspakt nicht höher als 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung sein sollte, läge im Jahr 2020 sogar bei 109 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland hätte also mehr Schulden, als es in einem Jahr insgesamt erwirtschaften kann. Eine jährliche Steigerung des BIP ist in dieser Projektion sogar eingerechnet.
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