Donnerstag, 9. Februar 2012, 20:46 Uhr

manager magazin



13.09.2005
 

Bundesländer-Ranking

46.000 Euro Schulden pro Kopf

Von Kai Lange

Knapp 50.000 Euro Schulden werden jeden Deutschen im Jahr 2020 drücken, wenn der Staat seine Haushaltspolitik nicht ändert. Die Schuldenkönige leben laut einer Bertelsmann-Studie in Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt. Die Studie zeigt auch, wie stark die einzelnen Bundesländer sparen müssen, um den Kollaps zu vermeiden.

Hamburg - 1,43 Billionen Euro Schulden hat Deutschland bis zum Jahr 2005 angehäuft. Das schreibt sich schnell dahin und bringt keinen Wahlkämpfer wirklich aus der Ruhe. Etwas bedrohlicher sieht die Zahl aus, wenn man stattdessen 1437 Milliarden Euro schreibt, oder besser: 1.437.000.000.000 Euro. Das sind, mit Verlaub, 65 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in Deutschland.

Der Schuldenberg hindert die Regierenden nicht daran, neue Schulden draufzusatteln. Das Bundesfinanzministerium rechnet für 2005 mit einer Neuverschuldung von rund 35 Milliarden Euro. Die deutschen Steuerzahler müssen pro Tag bereits rund 100 Millionen Euro Zinsen zahlen, um die Schulden der Vergangenheit zu bedienen.

Bremen: Mit 14.505 Euro pro Kopf war die Heimatstadt der Stadtmusikanten im Jahr 2002 das am stärksten verschuldete Bundesland. Die Bremer müssten jedes Jahr 26 Prozent ihrer Ausgaben einsparen, damit die Verschuldung nicht noch weiter steigt. Ändert sich an der Haushaltspolitik nichts, wird jeder Bremer im Jahr 2020 durchschnittlich 78.538 Euro Schulden haben.
Berlin: Mit 13.172 Euro stand jeder Bürger der Hauptstadt im Jahr 2002 durchschnittlich in der Kreide. Diese Verschuldung wird bis 2020 auf rund 76.000 und 2030 auf 176.000 Euro pro Kopf ansteigen - wenn Bund und Land nicht gegensteuern. 2030 wäre der Schuldenstand mit 338 Prozent des BIP mehr als dreimal so hoch wie die jährliche Wirtschaftsleistung - die Victoria auf der Siegessäule, auch "Goldelse" genannt, blickt auf einen finanziellen Scherbenhaufen.
Sachsen-Anhalt: Mit 7.399 Euro Schulden pro Kopf im Jahr 2002 war Sachsen-Anhalt (hier: Luther-Statue in Wittenberg) das finanziell schwächste unter den neuen Bundesländern. Noch helfen die Milliardentransfers aus dem Westen - wenn nach Auslaufen des Solidarpakts II im Jahr 2019 kein Geld mehr nachkommen sollte und die Ausgabenpolitik so weiter geht, wird jeder Sachsen-Anhaltiner im Jahr 2030 durchschnittlich mit knapp 130.000 Euro verschuldet sein.
Mecklenburg-Vorpommern: Mit 6165 Euro stand jeder Bürger des nordöstlichen Bundeslandes gemessen an der allgemeinen Verschuldung im Jahr 2002 in der Kreide. Der Konsolidierungsbedarf liegt laut Schuldenmonitor bei knapp 19 Prozent weniger Ausgaben pro Jahr - andernfalls wachsen die Schulden bis 2020 auf 43.537 Euro pro Kopf. Das wäre dann ungefähr auch die durchschnittliche Schuldenlast eines jeden Einwohners in Deutschland (46.346 Euro), wenn man die Gesamtverschuldung des Staates im Jahr 2030 gleichmäßig auf die Bevölkerung verteilen würde.

Die Schuldenkönige:
Bremen, Berlin, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern

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Das Thema Schulden ist auch deshalb unbeliebt, weil wir uns an die unvorstellbar hohen Zahlen bereits gewöhnt haben - und weil es sich auf die Sünden der Vergangenheit bezieht. Wer blickt schon gerne zurück, wo doch alle von Aufbruch reden in Deutschland.

Blick nach vorn: Verdreifachung der Schuldenlast

Die Bertelsmann-Stiftung hat deshalb die Blickrichtung geändert und in einer Projektion errechnet, wie sich Deutschlands Schulden in den kommenden Jahren entwickeln werden, wenn Bund und Länder weiter so wirtschaften wie bisher. Der "Schuldenmonitor" von Bertelsmann-Stiftung und Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) führt außerdem die Verschuldung deutlicher vor Augen, weil er die aktuelle und künftige Belastung der Bürger in den einzelnen Bundesländern zeigt.

Der Blick nach vorn zeigt außerdem, wie viel die einzelnen Bundesländer einsparen oder zusätzlich erwirtschaften müssen, um die Verschuldung zumindest auf dem aktuellen Niveau einzudämmen - ein bescheidenes Ziel, doch allein damit haben die künftigen politischen Lenker in Bund und Ländern bereits alle Hände voll zu tun.

Pleitegeier: Deutschlands Verschuldung wird dramatisch ansteigen - wenn nach der Wahl nichts passiert
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Pleitegeier: Deutschlands Verschuldung wird dramatisch ansteigen - wenn nach der Wahl nichts passiert

Bleibt in der Haushaltspolitik alles beim Alten, wird die Verschuldung von 14.390 Euro pro Kopf (berechnet für 2002) bis zum Jahr 2020 auf 46.364 Euro pro Bundesbürger ansteigen und sich damit mehr als verdreifachen.

Die Schuldenquote, die laut Europäischem Stabilitätspakt nicht höher als 60 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung sein sollte, läge im Jahr 2020 sogar bei 109 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deutschland hätte also mehr Schulden, als es in einem Jahr insgesamt erwirtschaften kann. Eine jährliche Steigerung des BIP ist in dieser Projektion sogar eingerechnet.

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