Von Helmut Becker
Nach Kriegsende hätte man beinahe den Betrieb ganz einstellen müssen, denn das Unternehmen war mit Schulden in Höhe der Hälfte seiner Bilanzsumme finanziell fast am Ende und war gezwungen, 30 Prozent der Belegschaft zu entlassen.
Dazu musste man einen heftigen Arbeitskampf mit radikalen Gewerkschaften durchstehen, der "paritätisch" nach Landessitte beendet wurde: Externe Gewerkschaften blieben fortan vom Unternehmen ausgeschlossen, die verbliebenen Mitarbeiter erhielten eine lebenslange Arbeitsplatzgarantie und die Zusage gesicherter Einkommen. Ihre sonstigen Interessen ließen sie von innerbetrieblichen Gewerkschaften vertreten, die der Personalabteilung angeschlossen waren. Im Gegenzug traten Präsident und Vorstandsvorsitzender des Unternehmens zurück und machten Platz für neue Männer mit neuen Ideen.
Seither herrscht Frieden. Management und Belegschaft bilden eine monolithische Einheit, die hoch motiviert und mit hoher Arbeitsmoral ausgestattet die gleichen Wertmaßstäbe und Ziele teilen, und wie eine Pseudo-Großfamilie an einem Strang ziehen. Die Arbeitsethik ist auf allen Ebenen hoch, "im Maschinenraum" wie "auf dem Oberdeck".
Dass seit Heraklit "der Krieg der Vater aller Dinge" ist, hat sich auch hier bewahrheitet: Gerettet wurde das Unternehmen letztlich durch den Ausbruch des Korea-Krieges, der einen Großauftrag zur Produktion leichter Militär-Lkw für das Unternehmen brachte (was sicherlich den Vorteil hatte, dass Qualitätsmängel und Produktunzulänglichkeiten von Feindeinwirkungen schwer zu trennen waren). Anschließend setzte man die Produktion nahtlos mit kleinen gewerblichen Fahrzeugen und von kleinen Pkw ausschließlich für den japanischen Markt fort.
In realistischer Einschätzung der eigenen noch bescheidenen Fähigkeiten im Automobilbau und einer erst zu entwickelnden Zulieferindustrie standen die 50er und 60er Jahre im Zeichen eines langsamen Vortastens in größere Fahrzeugkategorien und der Entwicklung von robusten Off-Road-Fahrzeugen für die Dritte Welt, die von der Ersten Welt nicht gebraucht und daher auch nicht angeboten wurden. Für höhere Ansprüche hatte man dort ja den Jeep.
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