Von Helmut Becker
Es war einmal in ferner Vergangenheit. Man schrieb das Jahr 2005. Es war am Vorabend der 61. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), dem traditionellen Familienfest der Weltautomobilindustrie in Frankfurt. Und wieder mal war Ölpreiskrise, die vierte seit Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Alle Automobilhersteller waren ratlos und betrübt. Aber nicht der Ölpreise wegen. Viel schlimmer: Der Absatz wuchs nunmehr schon im fünften Jahr in Folge nicht mehr. Solche Flautephasen hatte es früher nicht gegeben. Und das, obwohl sie doch "cross over" ohne Rast und Ruh immer schönere, schnellere, höherwertige Autos in immer größerer Variantenzahl, in immer schnellerer Zeit und mit immer größeren Rabatten auf den Markt brachten.
Wirklich alle Automobilhersteller? Nein, nicht alle. Einen gab es, der war quietschvergnügt und voller Gelassenheit und hatte auch allen Grund dazu. Denn immerhin war es ihm nicht nur gelungen, gegen den Branchentrend seit 2002 ununterbrochen Jahr für Jahr eine halbe Million Automobile mehr zu produzieren und weltweit abzusetzen, allein 2005 rund 7,3 Millionen; und damit den Lehrmeister von einst, General Motors, zwei Jahre später vom ersten Platz der Weltrangliste zu verdrängen. Nein, damit nicht genug konnte dieser Hersteller trotz seines unglaublichen Wachstumstempos weiterhin bei allen renommierten Vergleichtests über Qualität und Zuverlässigkeit die ersten Plätze belegen.
So viel Fleiß und Mühe verdient Belohnung, so ist es in der Branche Brauch. Denn: Nicht das Erzählte reicht, nur das Erreichte zählt! Entsprechend wurden die 27 Mitglieder des Vorstands dieses Unternehmens in 2003 "fürstlich" mit 290.000 Euro belohnt, nachdem es im "Krisenjahr" 2002 nur 157.000 Euro gewesen waren. Das war nur ein Siebtel dessen, was der Erzrivale Nissan seinen Vorstandmitgliedern zahlte.
Eine wahrlich unglaubliche Erfolgsgeschichte. Zwar hatte unser Hersteller mit dem Bau von Automobilen - quasi in "Heimarbeit" - schon 1936 begonnen, aber nur mit mäßigem Erfolg und sehr schlechter Qualität. Um Flugzeugteile für die Kriegsmaschinerie herzustellen, musste man die Automobilfertigung einstellen, ganz so, wie es deutschen Automobilherstellern auch gegangen war.
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