19.07.2005
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Selbstbedienung

"Korruption ist Chefsache"

Von Henning Hinze

2. Teil: Korruption findet in der Grauzone statt

Korruption findet in einer Grauzone statt

mm.de: Was bringt Topmanager dazu, für vergleichsweise wenig Geld Ruf und Beruf zu riskieren?

von Blomberg: Individualpsychologische Deutungen betrachten wir nicht als unsere Aufgabe. Wir glauben, dass die Strukturen entscheidend sind: Sie müssen Menschen unterschiedlichster Prägung den Anreiz bieten, sich korrekt zu verhalten. Das solche Spielregeln vorsätzlich missachtet werden, kann natürlich immer vorkommen. Aber wenn Vorstände sie missachten, ist das zum einen erschütternd und spricht zum anderen dafür, dass die Kultur des Unternehmens keinen angemessenen Stellenwert hat.

Kleine Geschenke und große Geldströme: Korruptionsanfälligkeit baut sich oft langsam auf
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Kleine Geschenke und große Geldströme: Korruptionsanfälligkeit baut sich oft langsam auf

mm.de: Was gehört neben dem Bekenntnis der Vorstandsebene noch zu einer korruptionshemmenden Kultur eines Unternehmens?

von Blomberg: Jedes Unternehmen muss analysieren, wo in der eigenen Struktur Korruptionsgefahr besteht. Diese Brennpunkte müssen so abgesichert sein, dass das Risiko, entdeckt zu werden, deutlich erhöht wird. Dazu steht ein ganzer Handwerkskasten von Maßnahmen zur Verfügung: Vier-Augen-Prinzip, Job-Rotation, technische Kontrollen, umsichtige Erteilung von Vollmachten, aber vor allem Transparenz.

Und dann muss jedes Unternehmen einen Verhaltenskodex entwickeln. Den Mitarbeitern muss durch Ge- und Verbote gezeigt werden, wie sie sich in korruptionsgefährdeten Situationen verhalten müssen, damit sie gar nicht erst in eine Position geraten, aus der sie nicht wieder herauskommen. Denn Korruption ist kein schwarz-weiß Thema. Die Grenzen bestehen oft aus Grauzonen, in denen man sich unter Umständen bewegt, ohne es zu bemerken. Dafür müssen Mitarbeiter sensibilisiert und trainiert werden.

mm.de: Und wenn es trotzdem Verstöße gibt?

von Blomberg: Für Verstöße müssen ernsthafte Sanktionen vom Arbeitsrecht bis zum Strafrecht angekündigt werden. Darüber hinaus muss das Unternehmen einen wirksamen Whistleblower-Schutz installieren. Vorhandenes Wissen über Korruption im Unternehmen muss geäußert werden können, ohne das derjenige, der es mitteilt, sich selbst in Gefahr bringt. Da sind wir beim Thema Hotline oder Ombudsmann. Das sollte am besten ein extern beauftragter Anwalt sein, der mit Hilfe seiner Schweigepflicht Mitarbeitern und Geschäftspartnern als Informations- und Kommunikationsstelle für korruptionsverdächtige Beobachtungen dient.

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Umfrage: Schmiergelder

Mercedes, Volkswagen, Infineon und jetzt Ikea - die Fälle von Schmiergeldzahlungen und Korruption in der deutschen Wirtschaft häufen sich. Sind dies nur Ausnahmen?

Ja, diese Fälle werden nur in den Medien hochgespielt.
Nein, nun wird immer offensichtlicher wie tief der Sumpf ist.
Da bin ich mir noch nicht so sicher.









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