Von Arne Stuhr
mm.de: Der Sportfunktionär Walter Tröger hat im Bezug auf Korruptionsvorwürfe gegen IOC-Mitglieder jüngst davon gesprochen, dass man sich - vereinfacht gesagt - an die Sitten anderer Länder werde gewöhnen müssen. Drohen uns nun dauerhaft Fälle à la VW?
Becker: An die Sitten anderer Länder sollte man sich als Kosmopolit durchaus gewöhnen, nicht aber an die Unsitten. Korruption ist auch im Ausland auf die Dauer kein Geschäftsmodell. Das Gegenteil ist der Fall. Europäische Industriegesellschaften, allen voran die deutsche, werden sich auf ethische Grundwerte und einen Arbeitsethos zurückbesinnen müssen, die sie nach dem Kriege groß gemacht haben. Beispiel Vorstandsgehälter: Ein Vorstand bei Toyota verdient im Schnitt 260.000 Euro, und das bei einem Konzerngewinn um die zehn Milliarden Dollar. Ich glaube dieses Beispiel brauche ich nicht weiter zu vertiefen.
Fazit: Wir werden eine neue Managergeneration mit einem altbewährten, nicht neuen Wertegerüst bekommen (müssen).
mm.de: Bei Herstellern wie Porsche
und BMW
läuft es auch schon jetzt ziemlich gut, warum?
Becker: Das sind praktisch Familienunternehmen, in denen eine klare Führung herrscht und ein echtes Interesse an der langfristigen Wertsteigerung des Unternehmens vorhanden ist, keine kurzfristige, tantiemengeführte Shareholder-Value-Denke. Wir sind in Deutschland nur deshalb nicht noch weiter abgerutscht, weil wir vor allem im Mittelstand so viele exzellent geführte Familienbetriebe haben, das eigentliche Rückgrat unserer Wirtschaft. Hier werden noch die deutschen Grundtugenden praktiziert: Wahrheit, Klarheit, Sparsamkeit.
mm.de: Dennoch fordert die Globalisierung auch bei den oftmals mittelständischen Zulieferern die Bildung immer größerer Einheiten. Sind die deutschen Familienbetriebe auf diese Konsolidierung wirklich vorbereitet?
Becker: Teils ja, teils nein! Ich kenne viele Fälle, wo der immer wieder aufgeschobene Generationswechsel ebenso wie die Grenzen der Innenfinanzierung den veränderten globalen Herausforderungen nun im Wege stehen. Die Finanzierung einer Expansion mit Fremdmitteln haben die bisher so erfolgreichen Mittelständler zum Beispiel lange gescheut wie der Teufel das Weihwasser.
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