Donnerstag, 9. Februar 2012, 01:17 Uhr

manager magazin



22.07.2005
 

Autoindustrie

"VW ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft"

Von Arne Stuhr

3. Teil: "Nicht Kopieren, Kapieren!"

mm.de: Wie von Ihnen schon erwähnt ist Toyota das Vorbild für die weltweite Auto-Gemeinde. Der Fall Mitsubishi macht aber deutlich, dass es sich nicht um einen japanischen Mentalitätsvorteil handeln kann, oder?

Toyota RAV4: "Die Toyota-Leute sind die Preußen Japans"
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Toyota RAV4: "Die Toyota-Leute sind die Preußen Japans"

Becker: Richtig. Die japanische Automobilindustrie gibt es ebenso wenig wie die deutsche. Der Erfolg von Toyota ist kein japanisches Phänomen, sondern ein Toyota-Phänomen. Das berühmte Toyota-Produktions-System (TPS) ist mittlerweile bei allen übrigen Herstellern State of the Art. Doch wie sagte zum TPS-System Porsche-Vorstand Michael Macht: "Nicht Kopieren, Kapieren!" Es steckt eine Ideologie dahinter, die Ursache für den Erfolg von Toyota ist.

Nehmen Sie das Projekt Nummi, ein Gemeinschaftsprojekt zwischen Toyota und GM. In den 80er Jahren fiel Toyota in diesem Kooperationsprojekt die Leitung einer alten und völlig verlotterten GM-Fabrik in Kalifornien mit völlig demotivierter Belegschaft zu. Ergebnis: Nach drei Jahren war Nummi das produktivste Automobilwerk in den USA.

Meiner Meinung nach liegt der Unterschied im Erfolg in der konservativen Grundhaltung Toyotas, in der Art und Weise, wie sich das Unternehmen in der Unternehmenskultur aufstellt. Die Toyota-Leute sind die Preußen Japans, oder salopp gesagt, einfach in einer anderen, erzkonservativen Wolle gewaschen.

mm.de: Das 21. Jahrhundert wird oft als das asiatische betitelt. Zu Recht?

Becker: Schließt man Osteuropa mit ein, kann ich dem zustimmen. Die erfolgreichen Asiaten wie zum Beispiel Toyota oder Hyundai oder, was sich bereits abzeichnet, die heute noch weitgehend unbekannten Chinesen werden die treibenden Kräfte sein. Ganz abstrakt gesprochen: Asien und Osteuropa werden im 21. Jahrhundert zur "Fabrik" der Welt.

mm.de: Wann werden die Chinesen eine ernsthafte Rolle spielen?

Becker: Noch ist das alles ziemlich nebulös. Wenn man eine Marke etablieren will, müssen neben der Qualität auch Vertrieb, Logistik und Ersatzteilversorgung stimmen. So eine Organisation kann nicht von heute auf morgen hochgezogen werden. Noch fehlt es den Chinesen fast an allem, auch an Autos. Aber sie kommen, der "Landwind" weht ja bereits.

Möglich wäre, dass beispielsweise ein chinesischer Hersteller Fiat kaufen könnte. Das würde die Marktpenetration dann natürlich erheblich beschleunigen. Dann werden sie aber sicherlich keine chinesischen Autos in Italien produzieren, sondern umgekehrt Fiats im Reich der Mitte, die dann über die Fiat-Vertriebsorganisation in Europa vermarktet werden.

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