Von Kai Lange
Ruf nach stärkerer Kontrolle
Der Versuch der Bundesregierung, Hedgefonds stärker zu kontrollieren und zu mehr Transparenz zu zwingen, mutet angesichts der Marktmacht dieser Investoren als mutiges Unterfangen an. Die größten Hedgefonds der Welt - Caxton, Citadel oder GLC Partners - sind jeweils mehr als zehn Milliarden Dollar schwer, ihre Topmanager wie Bruce Kovner oder Kenneth Griffin verdienen laut US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" zwischen 250 und 350 Milllionen Dollar im Jahr.
Ein deutscher Alleingang mit schärferen Auflagen sei nicht sinnvoll, mahnt die Bundesbank. Länderübergreifende Lösungen wie eine EU-weite Besteuerung kurzfristiger Aktiengeschäfte führen nach Ansicht von Beobachtern eher zum Ziel, zumal auch die US-Börsenaufsicht SEC die Regeln für Hedgefonds ab Februar 2006 verschärfen wird.
Zweitens richtet sich die politische Forderung nach mehr Transparenz, Offenlegung der Strategien und Beschränkung der Stimmrechte vor allem an jene Hedgefonds, die wie im Fall Deutsche Börse Unternehmensbeteiligungen eingegangen sind. Jedoch seien nur die wenigsten Hedgefonds an weit reichenden Unternehmensbeteiligungen interessiert, so der Fondsexperte Markus Sievert von der Fondsgesellschaft Apano. "Die meisten Hedgefonds setzen nicht auf Firmenbeteiligungen, sondern versuchen, an den Schwankungen des Gesamtmarktes zu verdienen", sagt Sievers.
"Heuschrecken" sind kaum einzufangen
Mit der Beschreibung "Heuschrecken, die abgrasen und weiterziehen", hat SPD-Chef Franz Müntefering zwar auch spekulative Hedgefonds ins Visier genommen. Doch die Vorstellung eines "räuberischen Investors", der ein Unternehmen abgrast und dann die Macht im nächsten Unternehmen anstrebt, trifft eher auf bestimmte Praktiken in der Private-Equity-Branche zu, dem Geschäft mit Unternehmensbeteiligungen. Hedgefonds tanzen dagegen eher auf dem Hochseil. Sie spekulieren kurzfristig mit allen Instrumenten, die der Markt hergibt, und sind rasch zum Absprung bereit.
Eine schärfere Aufsicht über Hedgefonds ist nötig, weil seit 2004 auch deutsche Privatanleger in diese hoch spekulativen Instrumente investieren können. Zahlreiche Banken lassen seitdem kaum eine Gelegenheit aus, ihren Kunden zumindest als Beimischung ein Investment in einen so genannten Dach-Hedgefonds (der sich wiederum aus einzelnen Hedgefonds zusammensetzt und sich zunächst durch hohe Gebühren auszeichnet) zu empfehlen. Bislang war ein Investment in Hedgefonds den wirklich reichen Kunden vorbehalten, die vielleicht das Risiko besser abschätzen, sicherlich aber den möglichen Verlust leichter verschmerzen können.
Denn so viel versprechend die verschiedenen Hedgefondsstrategien wie "Arbitrage", "Long/Short Equity" oder "Global Macro" auch klingen: Geht die Spekulation schief, drohen statt zweistelliger Renditen empfindliche Verluste. Ein Kunde des jüngst kollabierten Hedgefonds KL Financial nahm diese schlichte Wahrheit mit ebenso schlichten Worten hin: "Es schien zu schön, um wahr zu sein - und so war es auch."
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