21.01.2005
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Falk-Prozess

"Juristen sollten nicht rechnen"

Von Martin Scheele und Karsten Langer

4. Teil: Salomonische Lösungen - der Richter als Diplomat

Nach Beginn der Sitzung um 12.35 Uhr zeigt sich erneut, dass Richter Berger mehr an Konsens denn an Konfrontation gelegen ist. In der Mittagspause hat er zwischen Strate und Taschke vermittelt. Das Ergebnis: Die Fragen der Clifford-Chance-Anwälte werden zu den Akten genommen und vorläufig nicht weiter erörtert. Taschke zeigt sich zufrieden: "Wir sind mit der Lösung einverstanden", sagt er. Auf eine Vereidigung des Gutachters Drukarczyk wird von allen Seiten verzichtet. Falk sah nach Angaben seines Verteidigers Bliwier heute keinen weiteren Bedarf den großen Rest seiner Fragen noch zu stellen, "das hat sich durch den Vortrag von Drukarczyk heute erledigt."

Um 12.50 Uhr stellt Anwalt Bliwier noch einen Antrag. "Die Verteidigung verlangt, dass ein Wirtschaftsprüfer der BDO Deutsche Warentreuhand AG als Sachverständiger zu der Frage zu stellen ist, ob die buchmäßige Erfassung bestimmter Geschäftsvorfälle im Vorfeld des Verkaufs der Mehrheit der Anteile von Ision aus Sicht des Sachverständigen ordnungsgemäß war, oder ob es sich wie, die Staatsanwaltschaft behauptet, um so genannte Scheinumsätze handelt." Bliwiers Antrag wird ins Protokoll aufgenommen.

Außerdem wiederholt der Falk-Verteidiger seine Ansicht: "Es gibt keinen Schaden. Es gibt keinen Betrug. Alexander Falk ist sofort aus der Haft zu entlassen". Wann die Kammer über den Antrag entscheidet, ist zurzeit noch unklar. Die Staatsanwaltschaft hat sich zu den Anträgen noch nicht geäußert. Richter Berger schließt die Sitzung. Fortgesetzt wird der Prozess am kommenden Mittwoch, 26. Januar, um 10.00 Uhr.

Hintergrund zum Verfahren

Die Strafsache Falk ist das größte Wirtschaftsverfahren, das der Stadtstaat Hamburg je erlebt hat. Die Akten umfassen 700 Ordner und füllen einen Extraraum im Gericht. Die 283-seitige Anklageschrift nennt 76 Zeugen, 369 Urkunden und 6 Gutachten. Aufgrund der Komplexität des Verfahrens kann das Landgericht gegenwärtig keine Angaben zur Prozessdauer machen. Vorerst sind 38 Verhandlungstage bis Ende Juni kommenden Jahres angesetzt. Beim Betrugsvorwurf könnte sich der Mindestschaden laut Landgericht auf 46,7 Millionen Euro belaufen.

Falk soll im Jahr 2000 bei seiner Internetfirma Ision den Umsatz manipuliert haben. Das Gericht hatte die gegen Falk gerichtete Anklage der Staatsanwaltschaft Hamburg mit Modifizierungen zugelassen und das Hauptverfahren gegen ihn eröffnet. Dem 35-Jährigen wird verbotene Kursmanipulation in zwei Fällen, Betrug in einem besonders schweren Fall in Tateinheit mit Beihilfe zur unrichtigen Darstellung der Verhältnisse einer Kapitalgesellschaft und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

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