Von Martin Scheele und Karsten Langer
Hamburg - Am heutigen achten Verhandlungstag geht die Befragung des Gutachters Jochen Drukarczyk weiter. Gestern hatte Alexander Falk persönlich Drukarczyk 33 Fragen zum Thema Unternehmensbewertung stellen wollen, musste sein Sachverständigen-Verhör aber abbrechen, weil ihm die Zeit davonlief.
Heute um 9.40 Uhr begrüßt der Vorsitzende Richter Nikolaus Berger Verteidigung, Staatsanwaltschaft, und Gäste. Auch Gutachter Drukarczyk ist anwesend. Falk, dezent im grauen Anzug mit blauer Krawatte, hat sich zu seinen Anwälten Gerhard Strate und Thomas Bliwier gesellt.
Nach der Begrüßungszeremonie ergreift Bliwier sofort das Wort und nimmt die Thematik des gestrigen Tages wieder auf. "Gestern waren wir bei der Frage stehen geblieben, ob die Nutzung von Umsatzmultiplikatoren zur Schadensbewertung haltbar ist ..." hebt er an. Staatsanwalt Heyner Heyen unterbricht Bliwier höflich, aber bestimmt. "Ich möchte drei Fragen an Herrn Drukarczyk stellen", sagt Heyen.
"Ein Beleg für das Unvermögen der Prüfer"
Als Erstes präsentiert Heyen die Zeugenaussage einer Mitarbeiterin von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), die an der Due Diligence beteiligt war. "Bei New-Economy-Firmen wurde bei Verkauf des Unternehmens oft der Umsatz als Kaufpreisindikator zu Grunde gelegt", zitiert Heyen die Zeugin und wendet sich an Drukarczyk: "Teilen Sie diese Einschätzung?"
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Drukarczyk holt weit aus, ohne die Frage klar zu beantworten. Heyen wiederholt die Frage. Schließlich ringt sich Drukarczyk zu einer Antwort durch: "Das ist fallabhängig. Wenn alle Erfolgsgrößen negativ sind und nur der Umsatz positiv ist, dann müsste man das so machen. Es wäre aber trotzdem ein Beleg für das Unvermögen der Prüfer", so Drukarczyk weiter und endet: "Im Notfall frisst der Teufel Fliegen."
Falks Verteidiger haben den Ausführungen des Sachverständigen bis dato interessiert gelauscht. Bei den letzten Äußerungen des Gutachters werden sie hellhörig. Bliwier wendet sich direkt an Drukarczyk: "Verstehe ich diese Antwort richtig? Stimmt es, das es keinen Regelsatz gibt, sondern immer nur auf den Einzelfall bezogen wird? Korrigieren Sie mich bitte, wenn das nicht stimmt: Gibt es keinen Regelsatz?" Drukarczyk bestätigt die rhetorische Frage von Bliwier: "In der Allgemeinheit gibt es keinen Regelsatz", sagt er.
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