Donnerstag, 9. Februar 2012, 23:23 Uhr

manager magazin



16.12.2004
 

Falk-Prozess

"Ich werde mir die Namen der Staatsanwälte tätowieren, wenn ..."

Von Martin Scheele und Karsten Langer

Alexander Falk hat sich zum ersten Mal im Verfahren geäußert. Richtern und Staatsanwälten hält er Inkompetenz und Rechenfehler vor. "Ich bin es leid, dass für manche zwei und zwei fünf ist, die Staatsanwälte haben keine Erfahrung", sagt Falk. manager-magazin.de berichtet live vom Prozess.

Hamburg - Noch rührt sich kaum Leben im Gebäude des Landgerichts Hamburg. Nur im Saal 300, dem großen Plenarsaal, brennt schon Licht. Ab 9.30 Uhr will Alexander Falk dort nach einer kurzen Ansprache seines Anwalts Gerhard Strate Antrag auf Haftverschonung stellen. Alle bisherigen Anträge scheiterten, obwohl Falk schon seit 18 Monaten in U-Haft sitzt.

  Alexander Falk (l.) und Verteidiger Thomas Bliwier  am Mittwoch im Plenarsaal des Hamburger Landgerichts
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action press

Alexander Falk (l.) und Verteidiger Thomas Bliwier am Mittwoch im Plenarsaal des Hamburger Landgerichts

Es gibt Spekulationen, dass sich die Hamburger Justiz damit einen zweiten Fall Jürgen Harksen ersparen will. Harksen hatte sich der Justiz entzogen und sich nach Südafrika abgesetzt. Dem Vorsitzenden Richter Nikolaus Berger ist Harksen gut bekannt. Seine Kammer hat den Finanzbetrüger 2003 für sechs Jahre und neun Monate hinter Gitter geschickt.

Der Fluchtversuch, den Alexander Falk geplant hatte, macht seine Hoffnung auf Freiheit nicht eben größer. Schon gestern war das Plädoyer Falks zur Haftverschonung erwartet worden. Technisch hatte der Ex-Ision-Mehrheitsaktionär sich dafür opulent ausgestattet. Zwei transportable Leinwände schleppten Gerichtsdiener in den Saal. Zum Einsatz kamen sie aber nicht.

  Mandant mit Verteidiger:  Alexander Falk berät sich mit seinem Anwalt Thomas Bliwier
  Von Strate scharf angegriffen:  Die Staatsanwälte Nana Frombach und Heyner Heyen
  Ernste Atmosphäre:  Alexander Falk (m.) mit seinen Verteidigern Gerhard Strate (l.) und Thomas Bliwier
  Akten studierend:  Die Verteidiger Gerhard Strate (l.) und Thomas Bliwier

Fotos vom zweiten Verhandlungstag
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Die ersten Prozessteilnehmer sind inzwischen erschienen. Ein paar Juristen haben eine große Kiste mit Akten angeschleppt. "Heute bekommen wir wohl was geboten", sagen Besucher vor dem Plenarsaal. Auch sie sind gespannt, in welcher Form sich Falk heute zeigen wird. Falk will dem Vernehmen nach seinen Vortrag mit Powerpoint-Präsentationen spicken.

Um 9.30 Uhr rührt sich noch wenig im Gerichtssaal. Einer der Richter ist zu spät erschienen, Gerhard Strate kommt heute gar nicht. Auch Falk ist noch nicht da.

  Schnittig:   Falk auf der Flicca II
   Aus dem Ruder gelaufen: Auf seinem Schiff war Falk stets Kapitän
   Gruppenbild mit Skipper: Falk im Kreise seiner Crew
  Mondän:  Falks Villa in Hamburg
   Vergangenheit: Ehemalige Distefora-Zentrale in Hamburg
   Einst Teil des Falk-Imperiums:  Bankhaus Hornblower Fischer
  Falks unfreiwillige zweite Heimat:  Untersuchunsgefängnis in Hamburg
   Nikolaus Berger:  Vorsitzender Richter im Strafverfahren gegen Alexander Falk
   Einer von vielen: Falk-Aktenordner
  Verschwunden:  Das Börsensegment "Neuer Markt", auf dem auch Falk agierte, gibt es unter diesem Namen nicht mehr
   Grundstein: Der Falk-Verlag, den Alexander verkaufte, brachte das Kapital für seine Börsenaktivitäten
  Käufer des Falk-Verlages:  Die Bertelsmann-Gruppe aus Gütersloh
  Aktenberge:  Eine Justizbeamtin sortiert Falk-Ordner
  Noch stehen für Falk die Ampeln auf Rot:  Landgerichtsgebäude in Hamburg
  Gegossen, aber ewig:  Alexander Falk Holding
  Noch ein Ordner:  Die Aktenlage ist umfangreich
  Angeklagt: Alexander Falk
  Prozessvorbereitung:  Ordner in Reih' und Glied

Bilder aus dem Leben eines Ex-New-Economy-Stars
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Als der Zuschauerraum um 9.45 Uhr geöffnet wird, steht Falk aufrecht und aufmerksam die Szenerie beobachtend bei seinem Anwalt Bliwier. Er hat den Plenarsaal unbemerkt von Presse und Interessierten durch die Tür des Beratungszimmers betreten.

Falk macht einen souveränen Eindruck, trägt einen seriösen grauen Einreiher und ein schwarze Krawatte mit weißen Diagonalstreifen. Vor ihm steht bereits der Videobeamer, mit dessen Hilfe er seinen Antrag auf Haftverschonung illustrieren wird. Für die Begründung seines Antrags hat Falk zwei Stunden eingeplant. Der Zuschauerraum ist mit etwa 30 Neugierigen gut gefüllt.

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