Von Martin Scheele und Karsten Langer
Neben juristischer Beratung wird Falk auch medial gecoacht - von keinem geringen als Hans-Hermann Tiedje, dem ehemaligen "Bild"-Chefredakteur und Vorstand des einflussreichen PR-Unternehmens WMP Eurocom. "Ich berate Alexander Falk seit fünf Jahren mit meiner Firma TV-Media in Kommunikationsfragen", sagte Tiedje gegenüber manager-magazin.de.
Er hat Falk mehrfach im Gefängnis besucht. "Er macht einen sehr stabilen Eindruck, und wer sich in Unternehmensfragen auskennt, muss zu dem Schluss kommen, dass Falk unschuldig ist. Wenn er schuldig gesprochen würde, geht es bis zum Bundesverfassungsgericht, und das dauert wieder ein bis zwei Jahre", schmunzelte er. Auch andere Prozessbeobachter rechnen nicht mit einem schnellen Verfahren. "Das Verfahren ist so komplex wie der Flowtex-Prozess" sagte ein Insider.
Die Strafsache Falk ist zumindest das größte Wirtschaftsverfahren, das der Stadtstaat Hamburg je erlebt hat. Die Akten umfassen 700 Ordner und füllen einen Extraraum im Gericht. Die 283-seitige Anklageschrift nennt 76 Zeugen, 369 Urkunden und 6 Gutachten. Aufgrund der Komplexität des Verfahrens kann das Landgericht gegenwärtig keine Angaben zur Prozessdauer machen. Vorerst sind 38 Verhandlungstage bis Ende Juni kommenden Jahres angesetzt. Beim Betrugsvorwurf könnte sich der Mindestschaden laut Landgericht auf 46,7 Millionen Euro belaufen.
In dem Verfahren betritt das Gericht juristisches Neuland: Zum ersten Mal werden die zivilrechtlichen Ansprüche an Falk und die anderen gleich mitverhandelt. Bisher ist es so, dass etwa Betrugsopfer erst nach einem Strafprozess ihre Ansprüche zivilrechtlich durchsetzen konnten. Nun sitzen die Rechtsanwälte des britischen Ision-Käufers Energis mit im Gericht und können zum Beispiel Zeugen befragen oder Anträge stellen. Energis hat Falk auf 763 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Am heutigen Tag haben die Energis-Anwälte davon nicht Gebrauch gemacht.
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