Von Kai Lange
Zweifel an Aussagen im Börsenprospekt
"Wir sind der Meinung, dass die Risiken im Börsenprospekt nicht korrekt beschrieben wurden", sagt Leysen. Der Milliardenverlust von Holzmann habe sich größtenteils aus Projekten ergeben, die der Konzern bis September 1997 eingegangen war.
Die Verluste beruhten daher auf der "Neueinschätzung alter Risiken": Die gleiche Risikoeinschätzung hätte aus diesem Grund schon vorher erfolgen und in den Börsenprospekt eingehen müssen, heißt es in einer Mitteilung der belgischen Gevaert-Gruppe.
Nach einem Beweisbeschluss des Frankfurter Landgerichts soll ein Sachverständiger prüfen, ob die im Börsenprospekt der Deutschen Bank abgedruckten Finanzabschlüsse wirklich den gesetzlichen Anforderungen entsprochen haben. Der Beschluss ist ebenfalls schon älter als vier Jahre.
Engelsgleiche Geduld
Gevaert und sein Aufsichtsrat Leysen üben sich - noch - in Geduld. Auch beim letztlich gescheiterten Rettungsversuch des Holzmann-Konzerns hatte sich das belgische Unternehmen kooperativ gezeigt, hatte das hastig geschnürte Sanierungspaket gestützt und "auf dringendes Bitten" darauf verzichtet, ein Verfahren einzuleiten, um die vorangegangenen Jahresabschlüsse von Holzmann für nichtig erklären zu lassen.
Ein Fehler? Ein solches Verfahren hätte die Sanierung gefährdet, hieß es damals. Doch fünf Jahre später, knapp drei Jahre nach der endgültigen Pleite, warten die Beteiligten immer noch. Die Beklagten haben keinen Grund zu übertriebener Eile: Man habe derzeit keine Hinweise darauf, dass es in dem seit 2000 laufenden Verfahren weitergehe, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank auf Nachfrage von manager-magazin.de.
Anders klingt es bei Gevaert. Die Sache komme wieder in Bewegung, heißt es aus der Gevaert-Zentrale im belgischen Mortsel. In der langen Zeit seit der Klageerhebung seien außerdem weitere Dinge bekannt geworden, die belegen sollen, in welchem Detail die Deutsche Bank schon damals über die Lage und die Risiken bei Holzmann unterrichtet war. Das lange Warten habe also auch eine gute Seite gehabt, sagt Leysen. Wie immer perfekt diplomatisch.
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