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manager magazin



01.12.2004
 

Holzmann

"Risiken nicht korrekt beschrieben"

Von Kai Lange

1999 verkündete Kanzler Gerhard Schröder die Rettung des Baukonzerns. Rund zwei Jahre später war Philipp Holzmann endgültig pleite. Der belgische Gevaert-Konzern fordert noch immer rund 200 Millionen Euro Schadenersatz von der Deutschen Bank: Gevaert-Aufsichtsrat André Leysen setzt darauf, dass der Prozess endlich weitergeht.

Hamburg/Mortsel - Der Kanzler liebt das Retter-Image, und die Krise bei Holzmann kam dafür gerade recht. Per Bundeswehrmaschine ließ sich Gerhard Schröder im November 1999 nach Frankfurt einfliegen, um vom Balkon des Holzmann-Verwaltungsgebäudes per Megafon die vorläufige Rettung des Bauriesen zu verkünden. "Gerhard, Gerhard", jubelten ihm tausende Bauarbeiter zu. Doch trotz einer Ausfallbürgschaft des Bundes, die nie abgerufen wurde, war Holzmann im Frühjahr 2002 endgültig pleite.

  André Leysen:   Das Verfahren gegen die Deutsche Bank kann "mit voller Kraft" weitergehen
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DPA

André Leysen: Das Verfahren gegen die Deutsche Bank kann "mit voller Kraft" weitergehen

André Leysen dagegen ist ein Mann der leisen Töne, obwohl er allen Grund hätte, seinem Unmut auch mal lautstark Luft zu machen. Der prominente belgische Wirtschaftslenker sitzt im Aufsichtsrat der belgischen Gevaert-Gruppe, die im Frühjahr 2000 die Deutsche Bank Chart zeigen in Zusammenhang mit der Holzmann-Pleite auf Zahlung von rund 200 Millionen Euro Schadenersatz verklagt hat.

Doch die deutsche Justiz verlangt von den Klägern eine engelsgleiche Geduld: Knapp fünf Jahre später ist das Verfahren noch immer in der ersten Instanz. Zwei der zwischenzeitlich zuständigen Richter haben das Verfahren aus organisatorischen Gründen wieder abgegeben, einer ist verstorben. Jahre nach Klageerhebung arbeitet sich also ein vierter Richter ein.

Gevaert entlastete die Deutsche Bank

Mancher Kläger könnte da schon mal die Geduld verlieren, es geht schließlich um viel Geld. Doch nicht so Leysen, der auf Nachfrage von manager-magazin.de ruhig und höflich bleibt: "Verschiedene Umstände haben immer wieder zu Verzögerungen geführt", formuliert es der Wirtschafts-Doyen ganz diplomatisch. Doch da sich die Gründe für die Verzögerungen nun erledigt hätten, könne das Verfahren jetzt "mit voller Kraft weitergehen".

  Gefeierte Retter:   Bundeskanzler Gerhard Schröder und der ehemalige Holzmann-Chef Heinrich Binder (links) winken Ende November 1999 tausenden Holzmann-Beschäftigten zu. Im Frühjahr 2002 meldete der Bauriese Insolvenz an.
DPA

Gefeierte Retter: Bundeskanzler Gerhard Schröder und der ehemalige Holzmann-Chef Heinrich Binder (links) winken Ende November 1999 tausenden Holzmann-Beschäftigten zu. Im Frühjahr 2002 meldete der Bauriese Insolvenz an.

Hintergrund: Im Herbst 1998 gab die Deutsche Bank Chart zeigen den Börsen-Einführungsprospekt für neue Aktien von Philipp Holzmann Chart zeigen heraus. Im Vertrauen auf die Aussagen in diesem Prospekt hatte Gevaert Ende 1998 rund 200 Millionen Euro in Holzmann investiert.

Die von Gevaert geleisteten Zahlungen seien zu einem hohen Anteil direkt oder indirekt der Deutschen Bank zugute gekommen, argumentiert Leysen: Zum einen als Kaufpreis für Holzmann-Aktien aus dem Bestand des damaligen Holzmann-Großaktionärs Deutsche Bank, zum anderen dadurch, dass das Geldhaus von seiner Konsortialpflicht zur Zeichnung von Wandelschuldverschreibungen entlastet wurde.

Ein Jahr später teilte Holzmann der überraschten Öffentlichkeit mit, dass man für das Jahr 1999 einen Verlust von rund 1,2 Milliarden Euro erwarte.

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