Frankfurt - Der US-Pharmakonzern Merck & Co.
sieht sich auch nach dem freiwilligen Rückzug seines
Schmerzmittels Vioxx vom Markt nicht in seiner wirtschaftlichen
Existenz gefährdet. Weder müsse die Dividende gesenkt werden noch sei
eine Fusion mit einem anderen Pharma-Konkurrenten notwendig, um die
möglichen Milliarden-Klagen durchzustehen, sagte Merck-Chef Raymond
Gilmartin der "Welt" (Dienstagausgabe).
"Wir werden auch in Zukunft finanziell stark bleiben", sagte er. "Wir haben immer gesagt, dass große Fusionen nichts bringen." Analysten schätzen, dass Merck mit Schadenersatzklagen oberhalb der Grenze von 16 Milliarden US-Dollar rechnen muss. Mit Vioxx hat Merck im vergangenen Jahr etwa ein Zehntel seiner Gesamtumsätze erzielt, wie es hieß.
Merck & Co. hatte Ende September sein Schmerzmittel Vioxx nach einer Langzeit-Studie vom Markt genommen. Es war die größte Rückrufaktion in der US-amerikanischen Pharmageschichte. Opfer-Anwälte sprechen von tödlichen Nebenwirkungen des Merck-Medikamentes bei Langzeiteinnahmen. Gilmartin dementiert dies.
Man müsse beachten, dass Merck in der Vergangenheit viel in die Forschung investiert habe. "Das wollen wir in der Zukunft auf alle Fälle noch weiter verstärken", sagte der Konzernchef. "Außerdem haben wir eine Reihe interessanter Abschlüsse getätigt und sind Kooperationen mit jungen Biotech-Unternehmen eingegangen. Daran werden wir festhalten. So können wir als etabliertes Unternehmen die Forschungspalette um Wirkstoffe in frühen, aber auch späten Entwicklungsphasen erweitern."
Gilmartin: Keine personellen Konsequenzen
Personelle Konsequenzen nach dem Vioxx-Rückruf schloss Gilmartin aus. "Es gibt keine Veränderungen. Wir haben darüber intensiv im Vorstand und mit dem Aufsichtsrat gesprochen. Der Aufsichtsrat hat uns entschlossen unterstützt." Es werde daher auch bei dem vor dem Rückzug bereits bekannten Zeitplan bleiben, um einen Nachfolger für den amtierenden Merck-Chef zu finden. "Und was mich betrifft, so läuft mein Vertrag bis 2006, dann werde ich in den Ruhestand treten."
Der Pharmakonzern Pfizer
hat auf den Vioxx-Skandal reagiert, und will ein ähnliches Mittel aus der eigenen Produktion prüfen. Nach einem Bericht des "Wall Street Journals Europe" (WSJE) hat der Konzern bereits Pläne für eine
klinische Studie zum Arthrose-Mittel Celebrex in der Schublade. In der
Studie solle untersucht werden, wie Celebrex Herzinfarkte und
Schlaganfälle bei Patienten mit Herz- und Gefäßkrankheiten vorbeugen
könne.
Der Blockbuster Vioxx war gerade wegen des erhöhten Risikos von Herzinfarkten und Schlaganfällen vom Markt zurückgezogen. Vioxx und Celebrex gehören beide zur Klasse der so genannten Cox-2-Hemmer.
Es werde erwartet, dass in den kommenden Monaten die ersten Teilnehmer in die Studie eingeschrieben werden, schreibt das "WSJE" weiter. Ein Mitglied des Exekutivkommitees der Studie sagte, es gelte zu zeigen, dass Celebrex vorteilhaft bei Patienten mit koronaren Krankheiten sei.
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