Von Arne Stuhr und Matthias Kaufmann
Düsseldorf - Kaiserwetter über der Königsallee: Rechtzeitig zum Beginn der Sommerferien ist es in Düsseldorf Sommer geworden. Warum also in einem vermufften Gerichtssaal sitzen? Gestern gab es Jahreszeugnisse für die Schüler, heute wird Richterin Brigitte Koppenhöfer das Urteil im Mannesmann-Prozess sprechen.
Das Interesse an dem Verfahren ist ungebrochen. Soviele Kamerateams waren zuletzt bei der Eröffnung des Verfahrens hier, überall sprechen Reporter in Fernsehkameras, und auch die Polizei ist in Mannschaftsstärke angerückt. Schon eine halbe Stunde vor Sitzungsbeginn, um 8.30 Uhr, drängen Interessierte zum Besuchereingang des Gerichtsgebäudes am Rande der Düsseldorfer Altstadt.
Einer trägt ein Protestplakat: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Im März hatte das Gericht signalisiert, dass die Angeklagten wohl freigesprochen werden, und es ist nicht zu erkennen, dass sich an dieser Einschätzung etwas geändert haben könnte.
An den Bürgersteigen vor dem Gericht hat die PDS die Lufthoheit über die Straßenlaternen. Gut ein halbes Dutzend Plakate hängen da. Eines zeigt Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser, über dessen Kopf steht: "Mit Esser" und als Fortsetzung unter dem Foto: "nicht einfach abfinden".
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Zu solchen Gesten lässt sich der Bankchef heute nicht hinreißen, als er gegen 8.45 Uhr im Gericht eintrifft. Der Manager wirkt gelöst. So frühzeitig ist er schon lange nicht mehr zur Verhandlung erschienen. Und das gilt für alle Angeklagten: Bis auf Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk sind die anderen schon da und warten im rappelvollen und schweißtreibend schwülen Saal L 111.
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