Das in Düsseldorf erscheinende Handelsblatt schreibt unter der Schlagzeile "Heilsames Erwachen":
"Aus der Traum. Die Olympischen Spiele 2012 finden nicht in Leipzig und Rostock statt. Wundern dürfte die Entscheidung des IOC in Lausanne niemanden. Wäre die Stadt nicht gestern ausgeschieden, hätte sie spätestens in der Endrunde, im Juli nächsten Jahres, dieses Schicksal erlitten. Statt aber nun lange über verpasste und vermeintliche Chancen zu lamentieren, sollten wir schnellstens wieder in der Wirklichkeit des Jahres 2004 ankommen.
Und die sieht trist genug aus, auch und gerade in den neuen Ländern. Die seit Wochen geführte Diskussion um mögliche Kürzungen der Ost-Förderungen zeigt dabei mehr als deutlich: Olympia als sportlicher und wirtschaftlicher Event ist zu groß für Leipzig und Rostock gewesen und wäre gegenwärtig wohl auch zu groß für Deutschland. So bitter dies klingt: Die Zeiten, in denen sich dieses Land solche und ähnliche Prestigeprojekte leisten konnte, sind vorbei und werden so schnell nicht wiederkommen. Deutschland kann nur mit Mühe die nötige Verkehrsinfrastruktur für die Fußballweltmeisterschaft 2006 stemmen. Währenddessen verfallen unsere Innenstädte, in Schulen und Kindergärten bröckelt der Putz von Wänden und Decken, und auf den Straßen reiht sich Schlagloch an Schlagloch.
Das sind die Realitäten in Deutschland. Wenn trotzdem jetzt viele Leipziger und Rostocker Bürger enttäuscht sind, haben sie einem NOK und Politikern geglaubt, die immer noch nicht der Versuchung widerstehen können, sich im Glanz milliardenschwerer Zukunftsvisionen zu sonnen. Ob diese realisierbar und am Ende auch noch finanzierbar sind, interessiert sie nicht. Nachhaltigkeit ist im Politikgeschäft immer noch ein Traum und noch lange nicht die Realität."
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