"Soll ich das selber bezahlen?"
Welteke war nicht nur wegen möglicher Vorteilsnahme kritisiert worden. Viele nahmen ihm übel, dass er weder Einsicht noch ein geschicktes Krisenmanagement an den Tag legte. Konfrontiert mit Fragen nach der Hotelkostenaffäre sagte der oberste deutsche Geldpolitiker, offensichtlich konsterniert: "Soll ich das selber bezahlen?" Die immer gleiche Antwort, die der Sozialdemokrat Welteke zurzeit von Politikern aller Couleur erhält, lautet: "Ja". Dabei distanzierte sich gerade die Bundesregierung auffallend früh von Welteke.
Nach Ansicht von Joachim Poß, dem SPD-Fraktionsvize und finanzpolitischen Sprecher seiner Partei, sollte Weltekes Nachfolger nicht aus dem Vorstand der Bundesbank kommen. Poß sagte der Zeitung "Die Welt": "Die Entscheidungen des Bundesbankvorstandes im Fall Welteke haben gezeigt, dass dem Gremium der innere Kompass für die Beurteilung von Regeln fehlt. Anstatt eine Hängepartie zu organisieren, hätte der Vorstand eine klare Entscheidung über die Zukunft Weltekes treffen müssen." Seit 1958 entstammte jeder Bundesbankpräsident dem Kreis der Landeszentralbank-Präsidenten beziehungsweise dem Bundesbankdirektorium.
Auch CSU-Generalsekretär Markus Söder meldete sich zu Wort und forderte eine rückhaltlose Aufklärung. Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) müsse jetzt die Umstände des Rücktritts und die Vorgeschichte bis ins letzte Detail klären, sagte Söder der Nachrichtenagentur DPA am Freitag in München. Vor allem müsse es Aufschluss geben, wie die Informationen über Weltekes Hotelaufenthalt an die Öffentlichkeit gelangt seien. "Eichel steht in der Pflicht, den Bundestag umfassend, offen und transparent zu informieren."
"Verschiebebahnhof für verdiente Parteifreunde"
Für die Nachfolgeregelung mahnte Söder ein besonderes Verantwortungsbewusstsein der Bundesregierung an. Die Unabhängigkeit der Bundesbank müsse gewahrt werden. Zudem müsse der Kandidat ein hohes Ansehen bei der Wirtschaft genießen: "Hier darf auf keinen Fall der Eindruck entstehen, als sei das Amt ein Verschiebebahnhof für verdiente Parteifreunde."
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