Zuletzt machte Bundesbankpräsident Ernst Welteke über seine Adlon-Affäre öffentlich Witze. Nun aber gibt er dem Druck nach und tritt zurück - nicht ohne die Regierung für das Desaster abzuwatschen.
Frankfurt am Main - Bundesbankpräsident Ernst Welteke hat sein Amt niedergelegt. Das teilte die Bundesbank am Freitag in Frankfurt am Main mit. Welteke war wegen eines von der Dresdner Bank bezahlten Aufenthalts im Berliner Hotel Adlon Ende 2001 in die Kritik geraten.
"Der Vorstand hält diesen Schritt im Hinblick auf das Ansehen der Institution und die Wahrnehmung ihrer Aufgaben für angemessen", erklärte die Bundesbank und dankte ihm in dürren Worten. Welteke habe den Bundeskanzler persönlich und telefonisch über das Rücktrittsersuchen unterrichtet, meldet die "Bild"-Zeitung.
In seiner persönlichen Erklärung erhebt der scheidende Notenbanker schwere Vorwürfe in Richtung der Bundesregierung. "Die Missachtungen der grundgesetzlich garantierten Unabhängigkeit der Deutschen Bundesbank und ihrer Organe halten an", so Welteke. Der Vorstand der Bundesbank werde "in unverantwortlicher Weise unter Druck gesetzt." Die Bundesregierung hatte sich in den vergangenen Tagen nachdrücklich für eine Ablösung Weltekes eingesetzt.
Nach dem Rücktritt Weltekes hat die Bundesbank am Freitag jede Stellungnahme zum weiteren Vorgehen abgelehnt. "Es gibt im Augenblick keinerlei weitere Erklärung", sagte Bundesbanksprecher Wolfgang Mörke und verwies auf die Pressemitteilung. In dem Schreiben werden keine Angaben über eine Nachfolgeregelung gemacht.
"Angemessener" Schritt, "angemessene" Zeit und Form
Auch von der Bundesregierung war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Verwiesen wurde auf eine möglicherweise später anstehende Verlautbarung. Beobachter rechnen damit, dass der Staatssekretär im Finanzministerium, Caio Koch-Weser, Nachfolger Weltekes werden könnte. Jedoch gibt es in Berlin auch Signale, dass Bundesbankvizepräsident Jürgen Stark, der die Bundesbank derzeit kommissarisch leitet, noch im Rennen um die Nachfolge ist.
Im Laufe des Freitagnachmittags gab das Bundesfinanzministerium eine Erklärung heraus, in der sie den Rücktritt des Bundesbankpräsidenten als "angemessen" begrüßt. Der Rücktritt "verdient Respekt", so das Ministerium. "Angesichts der bereits bekannten und neuer Vorwürfe handelt es sich um eine angemessene Entscheidung, die das Ansehen sowohl der Institution Bundesbank als auch des Amtes des Bundesbankpräsidenten bewahrt." Die Nachfolge werde "in angemessener Zeit und Form" von den zuständigen Institutionen und Gremien geklärt.
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