Von Ulric Papendick und Dietmar Student
Die Kontrolldefizite deutscher Aufsichtsräte
Die Berater befragten die Aufsichtsratschefs großer Börsenfirmen. Ein Kernergebnis: Viele Kontrolleure überlassen wichtige Aufgaben wie die Auswahl des Topmanagements dem Vorstand.
Weitere Kritikpunkte: Die Aufsichtsräte selbst werden weiter mit Freunden des Hauses oder bequemen Abnickern besetzt, nur wenige Firmen beurteilen die Arbeit ihrer Kontrollgremien regelmäßig. Das Gros der Aufseher lässt sich zudem viel zu selten über sein Unternehmen informieren.
Die Corporate Governance in Deutschland zu verbessern ist das Ziel einer Regierungskommission unter der Leitung des ThyssenKrupp-Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme. Der von der Kommission entwickelte Kodex empfiehlt unter anderem, dass die Gehälter von Vorständen und Aufsichtsräten im Geschäftsbericht der Firmen individuell ausgewiesen werden.
Cromme fürchtet Eingreifen des Gesetzgebers
Da der Vorschlag in diesem Jahr jedoch nur von jedem dritten Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex Dax umgesetzt werden dürfte, steht die Akzeptanz der Kommission zunehmend auf dem Spiel.
"Das ist natürlich nicht genug", sagte Cromme dem manager magazin. "Sollte es dabei auf Dauer bleiben, müssen wir damit rechnen, dass der Gesetzgeber, ob in Berlin oder Brüssel, das Thema aufgreift."
Den meisten Unternehmen scheinen die Beschlüsse der Cromme-Truppe sowieso einerlei. 83 Prozent der Dax-Aufsichtsratschefs, das ergab die Deloitte-Umfrage, halten den Einfluss des Corporate-Governance-Kodex auf ihre Arbeit für "gering".
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