Von Arne Stuhr, Christian Buchholz und Matthias Kaufmann
Ackermann dolmetscht für Gent
Zweieinhalb Monate später, am 17. April 2000, ist Gent Aufsichtsratschef bei Mannesmann und leitet in dieser Funktion seine ersten Sitzungen - im Präsidiumsausschuss, im Bilanzausschuss und beim Treffen des gesamten Aufsichtsrats. Wer ihn von deutscher Seite auf die Sitzungen vorbereitet habe, möchte die Richterin wissen. Gent nennt zwei Namen: Peters und Aufsichtsratsmitglied Josef Ackermann. Von ihnen und durch andere "informelle Gespräche" sei er informiert worden, dass es Bedenken zu dem Beschluss über die Sonderprämien fürs Topmanagement bei Mannesmann gebe.
An diesem 17. April habe er außerhalb der Sitzungszimmer auch mit IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Betriebsratschef Jürgen Ladberg gesprochen. Das habe aber anfangs nicht sonderlich gut geklappt, was zwei Gründe gehabt habe: "Mein Deutsch und ihr Englisch." Das Problem wurde gelöst, indem Ackermann als Dolmetscher fungierte.
Um 12.30 Uhr unterbricht Richterin Koppenhöfer für eine Mittagspause. Staatsanwalt Johannes Puls bittet darum, "sofort" noch einige Fragen an Gent stellen zu dürfen - die Richterin lässt es aber nicht zu.
Um 13.15 Uhr hakt eine beisitzende Richterin nach und stellt die Frage, die Puls unter den Nägeln brannte. Doch die Lage ist entschärft: Gent äußert sich sehr konkret über einen Gesprächstermin mit Ackermann am 17. April und bestätigt damit dessen eigene Aussage. Zuvor hätten die Äußerungen Gents noch die Deutung zugelassen, dass er vor diesem Datum bereits vom Deutsche-Bank-Manager zur Prämienfrage informiert wurde. Ackermann hatte aber in seinen Erklärungen wiederholt darauf hingewiesen, dass er selbst erst an diesem 17. April etwas von dem Prämien-Problem erfahren habe.
Fok pokerte weiter
Dass überhaupt Prämien an Mannesmann-Vorstände gezahlt werden sollten, erfuhr Gent nach eigenen Angaben am 2. Februar in einem Telefonat mit Canning Fok. Bei der Gelegenheit versuchte Fok, der Vertreter des Mannesmann-Großaktionärs Hutchison Whampoa war, einen noch höheren Umtauschkurs auszuhandeln. Doch Gent blieb hart: 49,5 Prozent - "das ist mein letztes Wort."
Die Tauschrate hatte er am Morgen mit dem Vodafone-Board abgeklärt. Das Ergebnis habe er Esser am selben Tag telefonisch mitgeteilt, der bereits auf die Nachricht gewartet haben dürfte: Gent hatte ihm am Vortag bei einem Gespräch im Düsseldorfer Industrieclub angekündigt, dass er einverstanden sei, aber auf grünes Licht aus London warte.
Den Vorschlägen für die Prämien war er bei Foks Anruf nicht abgeneigt. Gent: "Wir mussten Wunden heilen." Bei der Sitzung am 17. April sei es jedoch nur kurz um diese Prämien gegangen, im Vordergrund standen die Verhandlungen über Atecs. Zu der Prämie von 30 Millionen Mark für Esser merkt Gent an, dass er sich mit den Gepflogenheiten auf dem deutschen Markt damals nicht besonders gut ausgekannt habe. Eine Vergleichsmaßstab nennt er aber: Der Vorstandsvorsitzende des US-Mobilfunkbetreiber AirTouch habe für sein Ausscheiden nach der Übernahme von Vodafone eine Summe von 250 Millionen Pfund erhalten. Esser dagegen, so Gent, verfügte nicht einmal über ein Programm mit Aktienoptionen - ein Derivat, dessen Wert bei steigendem Aktienkurs überproportional steigt. Bei Vodafone dagegen, so Gent, hatte alle Mitarbeiter Aktienoptionen "von der Putzfrau bis zum Chef".
Zu einer Frage, die die KPMG-Wirtschaftsprüfer während der Übernahmeschlacht stark beschäftigt hatte, hat Gent nur ein kurzes Statement parat: "At the end of the day - we pay", antwortet er auf die Frage, wer Zahlungspflichtiger für die Sonderprämien gewesen sei. Dass das Geld formal aus der Mannesmann-Kasse geflossen sei, scheint für Gent nicht von Belang - wirtschaftlich habe Vodafone für die Millionen aufkommen müssen.
Einzig die Verteidigung von Joachim Funk stellt zum Ende des Prozesstages noch drei Fragen. Um 14.20 Uhr wird die Sitzung geschlossen - ein unspektakuläres Ende für einen illustren Auftritt.
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