Ausgelöst durch zahlreiche Gesetzesinitiativen und einen verstärkten Kapitalmarktdruck haben sich in den letzten Jahren die Anforderungen an die Corporate Governance, und damit an die Aufsichtsratstätigkeit, gravierend weiterentwickelt.
Die Unternehmensberatung Deloitte hat daher aufbauend auf einer Studie aus dem Jahr 2002 die Aufsichtsratspraxis in Deutschland erneut untersucht und die Aufsichtsratsvorsitzenden der größten deutschen Aktiengesellschaften zum Status quo in den Überwachungsgremien befragt.
Die Studienergebnisse lassen erkennen, dass sich die Aufgabenwahrnehmung durch deutsche Aufsichtsräte in Deutschland verbessert hat. Doch noch immer fehlen zum Teil wesentliche Voraussetzungen für eine funktionsfähige Überwachung. Im Einzelnen lassen sich folgende Trends erkennen:
Der Rollenwechsel des Aufsichtsrats vom bloßen Kontrolleur zum aktiven Player in den strategischen Managementprozessen ist zumindest in der Selbstwahrnehmung der Befragten endgültig vollzogen. Dennoch sehen nahezu die Hälfte der Befragten Aufgaben, die eigentlich zum Kernbereich des Aufsichtsrats gehören, in der Verantwortung des Vorstands.
Aufsichtsratsorganisation verbessert
Die Schaffung einer funktionsfähigen Organisationsstruktur zählt zu den wichtigsten Pflichten des Aufsichtsrats. Aufgrund der rechtlich fixierten Größe steht dabei die Einrichtung von Ausschüssen im Mittelpunkt der aktuellen Reformbemühungen. Entsprechend nimmt der Anteil der Unternehmen, die zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Ausschüssen weitere einrichten, auf 85 Prozent zu. Dagegen nimmt die Ressortierung im Vergleich zur ersten Studie nochmals deutlich auf 20 Prozent ab.
Die rechtlich festgelegten Aufgaben des Aufsichtsrats und seine vom Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) geforderte aktive Einbindung in das Unternehmensgeschehen stellen hohe Anforderungen an die Informationsversorgung der Aufsichtsratsmitglieder. Ähnlich wie der Vorstand sind sie auf ein aussagekräftiges Reporting angewiesen. Die Informationsversorgung des Aufsichtsrats war jedoch lange Zeit stark abhängig vom überwachten Vorstand selbst. Umso erfreulicher ist es, dass sich die Quantität der verfügbaren Informationen verbessert hat.
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