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22.03.2004
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Standort

Vaterlandslose Gesellen?

3. Teil: Kartell der Auslagerer

Bei Siemens kommt alles auf den Prüfstand

"Die Größenordnung, um die es hier geht, liegt im fünfstelligen Bereich", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Gewerkschaftskreisen. Bei Gesprächen von Management und Arbeitnehmervertretern im Wirtschaftsausschuss am 31. März gehe es nicht nur um die in diesem Zusammenhang bereits genannten Standorte Bocholt und Kamp-Lintfort der Mobilfunksparte (ICM).

  Es geht um Hightechjobs:  Protest gegen Arbeitsplatzabbau bei Siemens
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DPA

Es geht um Hightechjobs: Protest gegen Arbeitsplatzabbau bei Siemens

Vielmehr gebe es ähnliche Konzepte nicht nur für die Netzwerksparte (ICN), sondern auch für die Verkehrstechnik (TS), die Automatisierungssparte (A&D) sowie den Bereich Energieübertragung (PTD). Im Gespräch seien alternative Standorte in Osteuropa und Asien. Siemens selbst wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Dass gerade Siemens die Verlagerung so massiv vorantreibt, kommt nicht überraschend. Die Verantwortlichen hatten bereits angekündigt, dass sich der Aufbau von Beschäftigung künftig primär im Ausland vollziehen wird, wo der Konzern knapp 80 Prozent seiner Umsätze erwirtschaftet und 60 Prozent seiner Mitarbeiter beschäftigt.

Vom Mittelständler bis zur Dax-Größe: Alle lagern aus

Siemens taugt allerdings kaum zum Sündenbock. Denn die Kosten sparende Verlagerung steht bei vielen Unternehmen auf der Agenda. Die Deutsche Bank Chart zeigen etwa plant nach Medienberichten, 250 Stellen der Einheit für den globalen Einkauf von Frankfurt ins billigere Prag zu verlagern. Die endgültige Entscheidung wird im Laufe des Jahres fallen.

Ähnliche Maßnahme kündigte der Bus- und Lastwagenhersteller MAN bei der Vorlage der Quartalszahlen am Montag an. Aus den deutschen Werken Salzgitter und Stuttgart sollen weitere 500 Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden.

Seit Jahresbeginn hat zudem eine ganze Reihe von Unternehmen angekündigt, Betriebsteile aus Deutschland abzuziehen. Die Exxon-MobilChart zeigen-Tochter Esso will die europaweite Buchhaltung in Prag konzentrieren. 200 Arbeitsplätze am Standort Hamburg sind in Gefahr. Auch die Brillenfirma Rodenstock will künftig in Tschechien produzieren. 350 Mitarbeiter im bayerischen Regen bangen um ihre Jobs. Der Nähmaschinenhersteller Pfaff setzt auf sein Werk in Shanghai. Das Nachsehen haben 600 Angestellte in Kaiserslautern.

Die Liste jener Unternehmen, die verlagerten, lese sich wie das "Who is who" der deutschen Industrie, konstatierte jüngst Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts in München.

Der Trend zum Standortwechsel bleibt ungebrochen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall erwartet, dass bis 2015 rund 600.000 Arbeitsplätze hier zu Lande der Abwanderung zum Opfer fallen. Diese Entwicklung indes nach der Art von SPD-General Benneter mit mangelnder Vaterlandsliebe zu begründen, hat ebenso wenig Sinn, wie Brauns Persilschein für die Verlagerer.

Der Wirtschaftsweise Franz fordert entsprechend Taten statt böser Worte. Der Trend hin zu den Billiglohnländern zeige, dass weitere Reformen in Deutschland nötig seien. Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, müsse die Regierung dafür sorgen, dass die Unternehmen billiger produzieren können. "Mit der Osterweiterung steigt der Druck, denn viele der Beitrittsländer erheben nur einen Bruchteil der hier zu Lande üblichen Steuersätze", sagte Franz.

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