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22.03.2004
 

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Vaterlandslose Gesellen?

Einen "unpratiotischen Akt" nennt Kanzler Schröder den Appell von DIHK-Chef Braun an deutsche Unternehmen: Geht ins Ausland und werdet glücklich. Der Beitrag dürfte die Debatte um Betriebsverlagerungen in Billiglohnländer kaum versachlichen. Derweil wollen Siemens und SAP weitere Jobs an kostengünstigere Standorte verlegen.

Berlin - Mit seiner recht unverhohlenen Empfehlung zur Verlegung von Arbeitsplätzen ins Ausland hat DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun den Zorn von Bundeskanzler Gerhard Schröder auf sich gezogen. Schröder verurteilte die Aussagen Brauns als "unpatriotischen Akt", wie Regierungssprecher Béla Anda am Montagabend in Berlin erklärte.

  Wirft dem kritischen DIHK-Präsidenten eine verengte Sichtweise vor:  Kanzler Schröder
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DDP

Wirft dem kritischen DIHK-Präsidenten eine verengte Sichtweise vor: Kanzler Schröder

Schröder kritisierte, der DIHK-Präsident verenge das, was für Deutschland notwendig sei, auf eine rein betriebswirtschaftliche Sichtweise. Der Bundeskanzler verwies dagegen laut Anda darauf, dass auch die Industrie dem Gemeinwohl verpflichtet sei.

Der Chef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages bemühte sich danach um Schadensbegrenzung und relativierte seinen Aufruf. Die Industrie unterstützte ihn. Braun hatte den Unternehmen geraten, "nicht auf eine bessere Politik zu warten", sondern "die Chancen zu nutzen, die zum Beispiel in der Osterweiterung liegen".

Brauns schlichter Verweis auf die Billiglohn-Länder

Später erklärte er im MDR Info, seine Äußerungen im Berliner "Tagesspiegel" seien von den Medien verkürzt wiedergegeben worden. Er plädiere lediglich dafür, dass die deutschen Unternehmen die Möglichkeiten der EU-Osterweiterung erkennen sollten. Um etwa in Polen wettbewerbsfähig zu sein, müsse man dort mit eigenen Mitarbeitern präsent sein. Er verwies auf "kostengünstigere Lohnstrukturen" in jenen Staaten.

Regierungssprecher Anda verwies darauf, dass die Bundesregierung mit der Agenda 2010 die notwendigen Sozialreformen auf den Weg gebracht habe, um den Standort Deutschland auch im internationalen Wettbewerb zukunftsfest zu machen. "Für Klagen besteht also kein Anlass."

SAP-Chef Kagermann: "Wenn wir da nicht mitziehen ..."

Ungeachtet dessen wollen viele deutsche Firmen, beispielsweise aus der Informationstechnologie, zunehmend Jobs in Billiglohnländer verlagern. "Wenn wir da nicht mitziehen, dann sind wir nicht wettbewerbsfähig, wir verlieren Marktanteile und letztendlich auch einen Teil der Arbeitsplätze in Deutschland", sagte Henning Kagermann, Vorstandssprecher des Softwarekonzerns SAP Chart zeigen, der "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe). "Wenn wir im Entwicklungsbereich expandieren, werden wir die Entwicklung weiter ins Ausland verlagern", sagte Kagermann. Es sei ein ökonomischer Zwang, in Niedriglohnländer zu gehen.

  "Nicht auf eine bessere Politik warten":  DIHK-Chef Braun
DPA

"Nicht auf eine bessere Politik warten": DIHK-Chef Braun

Thomas Ganswindt, Chef der Siemens-Festnetzsparte ICN Chart zeigen, sagte der Zeitung: "Wenn wir Aktivitäten ins Ausland verlagern, folgen wir mit unserer Wertschöpfung den Märkten. Globalisierung heißt eben auch, dass wir die Wertschöpfung dort erbringen, wo sie nachgefragt wird, also wo Wachstum ist. Und das Wachstum findet im Moment woanders statt. In Deutschland wird es Wachstum nur durch noch mehr Innovation geben."

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