Frankfurt am Main - Der hessische Regierungschef Roland Koch (CDU) hat laut "SPIEGEL" als Aufsichtsratsvorsitzender des Frankfurter Flughafens die Fraport-Vorstände finanziell großzügiger ausgestattet als bisher bekannt. Regierungssprecher Dirk Metz warf dem Magazin allerdings "unseriöse Berichterstattung" vor - in Wahrheit hätten die Manager sogar Einbußen hinnehmen müssen.
Der "SPIEGEL" beruft sich auf ein vertrauliches Sitzungsprotokoll des Kontrollgremiums vom 18. Juni. Trotz hoher Verluste aus dem gescheiterten Flughafenprojekt in Manila (Philippinen) seien dem Vorstand hohe Tantiemen bewilligt worden.
Gegen den Widerstand der Arbeitnehmervertreter hatte Koch am Montag vergangener Woche Firmenchef Wilhelm Bender und dessen Stellvertreter Manfred Schölch Gehaltserhöhungen von jeweils 150.000 Euro bewilligt. Das interne Papier zeigt laut "SPIEGEL", dass die Fraport-Verantwortlichen bereits im vergangenen Sommer rückwirkend für 2002 "üppige Prämien" kassierten, obwohl der Konzern fast 300 Millionen Euro wegen Asien abschreiben musste. "Nach den unter Koch eingeführten Dienstverträgen können die Topmanager ihre festen Bezüge verdoppeln, wenn sie beim Umsatz und Gewinn Zielvorgaben erreichen, die sie selbst mit festlegen", schreibt das Blatt.
Zubrot von 75 Prozent
Den Recherchen zufolge werden "zusätzliche Einnahmen oder bloße Zukäufe im Vergleich zum Ertrag viel zu stark gewichtet". Daher hätten die fünf Fraport-Vorstände trotz roter Zahlen ein Zubrot von 75 Prozent ihres Grundgehalts bekommen. Konzernchef Bender wurden laut "SPIEGEL" 205.000 Euro zugesprochen, seinem Vize 158.400 Euro; Personalchef Herbert Mai soll 134.200 Euro bekommen haben.
Kochs Sprecher Metz bezeichnete die Berichterstattung als "in hohem Maße unseriös und unfair". "Unter dem Aufsichtsratsvorsitz Kochs ist der wirtschaftliche Erfolg erstmals zu einem Kriterium der Bezahlung der Fraport-Vorstandsmitglieder geworden." Die Hälfte der Bezüge sei nun erfolgsabhängig. Daher hätten die Flughafen-Chefs 2002 sogar "erhebliche Einbußen" hinnehmen müssen.
Die Prämien könnten nicht zum Gehalt dazugezählt werden. "In Wahrheit sind die ausbleibenden Tantiemen von den Maximalgehältern abzuziehen." Zudem erwecke der Artikel den Eindruck, "als könne Koch bei der Fraport schalten und walten wie er wolle". Im Aufsichtsrat säßen auch die Stadt Frankfurt, die Bundesregierung und neuerdings sogar die hessische Opposition.
Fraport-Sprecher Klaus Busch sagte der dpa: "Wie in jedem anderen großen Unternehmen gibt es bei Fraport Tantiemen-Regelungen, die sich an der Planerfüllung orientieren." Es gebe Prämien für Gewinn und für Umsatz. Im vergangenen Jahr seien nur die Tantiemen für Umsatz ausgezahlt worden, nicht die für Gewinn. Die vom "SPIEGEL" genannten Zahlen könne er nicht kommentieren, sagte Busch. Selbst wenn diese zuträfen, seien sie aber im internationalen Vergleich für Vorstände eines börsennotierten Unternehmens "weit unterdurchschnittlich".
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