Donnerstag, 9. Februar 2012, 20:24 Uhr

manager magazin



17.09.2003
 

Siemens

"Das ist doch kein Frondienst"

Siemens-Chef von Pierer fordert, dass es für Samstagsarbeit keinen Lohnaufschlag mehr geben sollte. Zudem fordert er von den Gewerkschaften mehr Offenheit gegenüber flexiblen Arbeitszeitmodellen.

Hamburg - Nach Ansicht von Heinrich von Pierer, Vorstandsvorsitzender von Siemens Chart zeigen sollte der Samstag als ganz normaler Werktag gelten. "Der Samstag sollte im Bedarfsfall wieder Werktag ohne Zuschläge sein. Die Leute gehen doch eigentlich gern zur Arbeit, das ist doch kein Frondienst", sagte von Pierer der "Bild"-Zeitung.

  Siemens-Chef von Pierer:  "Wir sind leider ein bischen zu satt geworden"
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DDP

Siemens-Chef von Pierer: "Wir sind leider ein bischen zu satt geworden"

Den Gewerkschaften warf der Konzernchef vor, bei der Arbeitszeitregelung für deutsche Arbeitnehmer eine zu starre Haltung einzunehmen. "Die Gewerkschaften müssen von dem Irrglauben abrücken, jedem die Arbeitszeit vorschreiben zu wollen", sagte er.

Um zu einer Flexibilisierung der Tarifpolitik zu kommen, seien unter anderem Zeitkorridore erforderlich, "die zwischen 25 und 45 Stunden Arbeit pro Woche ohne Überstundenzuschläge zulassen". Die Abrechnung könne über Arbeitszeitkonten erfolgen, die über 48 Monate laufen.

Warnung vor "Verschlimmbesserungen" an Agenda 2010

Der Siemens-Chef forderte in dem Interview außerdem Bundesregierung und Opposition auf, die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 ohne Abstriche umzusetzen. "Die Reformen der Agenda 2010 müssen als Gesamtpaket, also ohne 'Verschlimmbesserungen' in Einzelfragen, Gesetz werden."

Die Deutschen sollten sich vor dem Hintergrund wachsenden internationalen Wettbewerbdrucks mehr anstrengen, verlangte von Pierer überdies. "Wir sind leider ein bisschen zu satt geworden - dagegen sollten wir ankämpfen." Es sei erforderlich, sich wieder auf bewährte Grundtugenden zu besinnen. Dazu gehörten "Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Beharrlichkeit, Qualitätsbewusstsein".

Auf das Thema "Standort Deutschland" angesprochen, sagt von Pierer: "Er hat außer den zu hohen Löhnen und Lohnnebenkosten sowie dem starren Arbeitsrecht kein wesentliches Problem - wenn wir alle bereit sind, schneller, besser, dienstleistungsfreudiger und innovativer als die Konkurrenz zu sein."

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