Donnerstag, 9. Februar 2012, 11:55 Uhr

manager magazin



23.06.2003
 

Tchibo

Geldregen für Günter

Von Petra Schlitt

Der Zwist hat ein Ende. Die Eigentümerfamilie Herz hat sich offenbar darauf geeinigt, den ältesten Sohn des Gründers und langjährigen Tchibo-Konzernchef auszuzahlen. Am Plan, die Beteiligung am Beiersdorf-Konzern aufzustocken, soll dem Vernehmen nach festgehalten werden.

Hamburg - Nach Jahren des Streits kehrt bei der Eigentümerfamilie des Hamburger Tchibo-Konzerns offenbar Frieden ein. Zum Wohle des Konzerns, der mehr als 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, trennen sich künftig die Wege der verfeindeten Brüder. Nach Informationen von manager-magazin.de hat sich die Herz-Familie darauf geeinigt, dass Günter Herz, der älteste Sohn von Firmengründer Max Herz und langjähriger Tchibo-Konzernchef, ausgezahlt werden soll.

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Günter Herz war seit dem Tod seines Vaters Chef der Familienfirma. Als Max Herz starb, war das Unternehmen gut 100 Millionen Mark wert, heute sind es weit mehr als 10 Milliarden Euro. Zunächst arbeitete auch Bruder Michael in der Führung mit. Doch Ende der achtziger Jahre kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden Brüdern. Günter drängte Michael aus der Geschäftsleitung.

Günters Machtposition blieb unangefochten. Er war nicht nur Vorstandsvorsitzender der Tchibo-Holding, sondern auch Oberaufseher aller Töchter (Tchibo Frischröst AG/Kaffee und Reemtsma/Zigaretten) und saß zudem im Aufsichtsrat der Beiersdorf AG Chart zeigen, an der die Tchibo-Holding 30 Prozent der Anteile hält.

Poolvertrag sollte für Frieden sorgen

Um den Familienzwist aus dem Unternehmen herauszuhalten, hatten die Gesellschafter (Mutter Ingeborg hielt 25 Prozent der Anteile, die fünf Kinder Günter, Joachim, Michael, Wolfgang und Daniela jeweils 15 Prozent) einen Poolvertrag geschlossen. Im Innenverhältnis entschied die Mehrheit; die stützte weiter Günter.

Die komfortable Machtposition des Firmenchefs schmolz Mitte der neunziger Jahre. Die Mutter verringerte zugunsten der Kinder ihren Anteil auf rund 10 Prozent. Nun kamen Michael, Joachim und Wolfgang zusammen auf 51 Prozent, Günter und Daniela hingegen nur auf 39 Prozent. Zudem schlug sich die Mutter mehr und mehr auf Michaels Seite; sie übertrug ihm sogar ihre Stimmrechte, offenbar aus sentimentaler Dankbarkeit. Michael hatte nach dem Tod des Vaters am längsten zu Hause gewohnt.

Obwohl fortan immer öfter in der Minderheit, erhielt Günter 1996 noch einmal einen Fünf-Jahres-Vertrag als Vorstand. Damals hatte sich die Familie darauf geeinigt, nach Ablauf des Vertrages ein familienfremdes Management zu installieren.

Vermögensverwaltungsgesellschaft übernahm Anteile

Doch als Günters Vertrag auslief, stellte der sich stur. Er wollte weiter an der Macht bleiben. Gemeinsam mit der ihm zugewandten Schwester Daniela hatte er bereits 1999 versucht, anderen Familienmitgliedern Anteile abzukaufen - ohne Erfolg.

Darauf veräußerten Günter und Daniela 31,7 Prozent der Tchibo-Anteile an eine Gesellschaft namens G.D.H.G. Fond Vermögensverwaltungsgesellschaft. G steht für Günter, D für Daniela, H für Herz und G für Gellert.

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