London - Die bei der WestLB in der Kritik stehende Investmentbankerin Robin Saunders hat offenbar konkrete Schritte zum Erwerb des von ihr geführten Finanzierungsgeschäfts des Düsseldorfer Bankhauses unternommen.
Reuters berichtet aus "mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen", Saunders habe die Investmentbank Houlihan Lokey Howard&Zukin ninzugezogen. Die Berater sollen Saunders beim Kauf eines Teils des WestLB-Finanzierungsgeschäftes unterstützen. Saunders gilt als verantwortlich für die jüngst aufgedeckten Millionenverluste im Finanzierungsgeschäft der WestLB. Sie hatte schon vor Wochen erklärt, falls die WestLB mit ihr unzufrieden sei, werde sie ihre Abteilung einfach aufkaufen - ein paar Anrufe reichten ihr dazu.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat eine Sonderprüfung von Saunders-Geschäften eingeleitet, weil sie für die Vermittlung von Krediten offenbar mit besonders günstigen Aktien der betreffenden Firmen belohnt wurde. Zudem steht die Frage im Raum, ob sich die WestLB-Sparte durch die gleichzeitige Beteiligung und die Versorgung mit Krediten an dieselben Unternehmen wissentlich in einen Interessenkonflikt begeben hat. Dieser als "Co-Investment" bezeichnete Fall soll unter anderem bei dem angeschlagenen Fernsehgeräte-Verleiher Boxclever passiert sein.
Aus BaFin-nahen Kreisen sickerte bereits durch, dass die Finanzaufsicht auf erhebliche Fehler im Risikomanagement bei Principal Finance in London gestoßen sei. Den von Reuters zitierten Kreisen zufolge hofft Robin Saunders, dass die WestLB ihrem geplanten Management-buy-out zustimmt. Die Top-Managerin habe für den Erwerb des insgesamt fünf Beteiligungen umfassenden Portfolios ausreichende finanzielle Unterstützung erhalten, hieß es in den Kreisen. Wer die Investoren sein könnten, blieb aber unklar.
Holt Saunders "Mr. Formel-1", Bernie Eccelstone?
Unterstützt wurde Saunders bislang unter anderem von dem Handels-Milliardär Philip Green und Formel-1-Manager Bernie Ecclestone. Von anderer Seite hieß es, die Beteiligung werde vermutlich nur rund 100 Millionen Pfund (rund 168,2 Millionen Euro) kosten. Allerdings müsste Saunders auch die weitaus höheren Schulden der mit dem Portfolio verknüpften Anteile übernehmen.
Zu dem Paket gehören unter anderem Beteiligungen an Boxclever, an der Pub-Kette Pubmaster und an dem Kinobetreiber Odeon, die die WestLB-Sparte erst im März für 431 Millionen Pfund erworben hatte.
Ein Sprecher der WestLB sagte zu den Plänen von Saunders am Mittwoch lediglich: "Zu Spekulationen nehmen wir keine Stellung." WestLB-Chef Jürgen Sengera hatte kürzlich angekündigt, die Bank lasse derzeit den Wert der von Saunders geführten Abteilung Principal Finance durch zwei Investmentbanken bewerten. Dies biete viele Optionen, auch einen Verkauf. Dass Saunders die Käuferin sein konnte, schloss Sengera nicht aus.
Allgemein wird erwartet, dass die BaFin ihren Sonderprüfungsbericht noch am Mittwoch der WestLB vorlegen werde. Sprecher der Behörde und der Bank wollten dazu zunächst keine Stellung nehmen. Der Aufsichtsrat der WestLB will sich bei einer Sondersitzung am 2. Juli mit dem Prüfungsbericht befassen.
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