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manager magazin



12.03.2003
 

Lipobay

Aktionäre klagen in den USA

Ein New Yorker Gericht soll entscheiden, ob das Bayer-Management US-Börsengesetze verletzt hat. Angeblich wurde der Aktienkurs in den USA "künstlich aufgebläht". Aktionäre sollen über vier Jahre getäuscht worden sein.

New York / Leverkusen - Neuer Ärger für Bayer in den USA: Vor einem Bundesgericht in New York ist jetzt eine Aktionärsklage eingereicht worden.

  Klage gegen den Bayer-Vorstandschef und seinen Vorgänger:   Werner Wenning (r.), Manfred Schneider
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Klage gegen den Bayer-Vorstandschef und seinen Vorgänger: Werner Wenning (r.), Manfred Schneider

Sie richtet sich gegen den Bayer-Konzern Chart zeigen, den früheren Vorstandschef und heutigen Aufsichtsratschef Manfred Schneider sowie den heutigen Vorstandschef und damaligen Finanzvorstand Werner Wenning.

Der Kurs der Bayer-Aktie sackte nach Bekanntwerden der Meldung stark, bis 18.30 Uhr sank die Notierung um acht Prozent auf 10,36 Euro. Gleichzeitig hatten sich aber auch Gerüchte verdichtet, nach denen die Geschäftszahlen am morgigen Donnerstag mager ausfallen werden.

Schadenersatz rückwirkend ab 1999 gefordert

Bayer wird in der Klage vorgeworfen, US-Börsengesetze verletzt zu haben. Angeblich sollen Sachverhalte im Zusammenhang mit dem Cholesterinsenker Lipobay falsch dargestellt und damit der Kurs der in den USA gelisteten Aktien zum Aktionärsnachteil künstlich aufgebläht worden sein.

Die Liste der angeblich getäuschten Aktionäre ist lang. Schadenersatz in bisher unbekannter Höhe wird von Unternehmen und Personen gefordert, die in der Zeit vom 26. Mai 1999 bis zum 21. Februar 2003 an der Nasdaq oder (seit 2002) an der NYSE sogenannte "American Depositary Shares" von Bayer gekauft hatten.

Zweite kostspielige Aktion nach dem Lipobay-Desaster?

"Bayer wird die Klageschrift und die darin enthaltenen Anschuldigungen auswerten und sich vehement zur Wehr setzen", heißt es in einer ersten Reaktion des Konzerns. Die Klage auf Schadensersatz sei dem Unternehmen noch nicht zugestellt worden.

Bayer muss sich bereits mit zahlreichen Produkthaftungsklagen zu Lipobay auseinander setzen. Nach früheren Angaben gab es 7800 Klagen. Mit 450 Klägern einigte sich Bayer auf einen Vergleich und zahlte 125 Millionen Dollar. Bayer hatte den Cholesterinsenker Mitte 2001 vom Markt genommen. Mit dem Medikament wird weltweit der Tod von rund 100 Menschen in Verbindung gebracht.

Überschattet von den Lipobay-Klagen gibt der Chemie- und Pharmakonzern an diesem Donnerstag seine Geschäftszahlen für 2002 bekannt. Das Ergebnis ist nach Bayer-Angaben vor allem durch Verkaufserlöse gestiegen. Das operative Geschäft hat sich 2002 nach Worten Wennings "absolut enttäuschend" entwickelt.

Potenzpille als Hoffnungsträger

Eine schwache Konjunktur, steigende Rohstoffkosten und Umbaukosten haben die Bayer-Bilanz 2002 nach Analysten-Meinung belastet. Zudem sei unklar, wie stark Bayer durch Lipobay-Klagen belastet werde. Bayer will die Gewinnausschüttung an seine Aktionäre nicht weiter kürzen. Für das Geschäftsjahr 2002 soll eine unveränderte Dividende von 90 Cent pro Aktie gezahlt werden, hatte es vergangene Woche geheißen.

Bayer hatte im Vorjahr erstmals seit 9 Jahren eine Kürzung der Dividende beschlossen. Für das Geschäftsjahr 2001 wurden 90 Cent je Aktie nach 1,40 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2000 gezahlt. Im Jahr 2001 war der Konzerngewinn um 47 Prozent auf 965 Millionen Euro gesunken. Gründe waren das Lipobay-Desaster und eine Konjunkturabkühlung.

Nach dem Lipobay-Knick soll die Potenzpille Levitra das Bayer- Pharmageschäft wieder kräftig nach oben bringen. Die EU-Kommission hat Bayer mit dem britischen Vertriebspartner GlaxoSmithKline die Marktzulassung für Levitra erteilt. "Das ist ein ganz wichtiger Schritt für unser Pharma-Geschäft, denn wir glauben, dass Levitra das Potenzial zu einem neuen Blockbuster hat", erklärte Wenning bereits.

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